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Praxis

Im Spiel von Licht und Schatten

Kein Licht ohne Schatten: Das Spiel zwischen Hell und Dunkel ist eines der wesentlichen Elemente der Malerei. Seit jeher beschäftigen sich Künstler mit dem Licht und seinen Wirkungen, und dabei ist Licht viel mehr als der schlichte Gegenpol von Dunkelheit.

Es schimmert und strahlt, kann anziehend warm sein oder kühl und gleißend. Licht modelliert den Raum und seine Tiefe, kommt dramaturgisch zum Einsatz und ist oft der eigentliche Protagonist. Insbesondere in der Barockmalerei spielt es eine tragende Rolle, etwa bei Caravaggio, der mit schlaglichtartig erhellten Szenen die Spannung steigerte. Rembrandt unterstrich in Gemälden und Grafiken den Ausdruck von seelischen Stimmungen mit den Effekten des Helldunkel, und das bevorzugte Licht Claude Lorrains war das sanfte Licht der Dämmerung. „Die Künste sind die Dolmetscher, deren Aufgabe es ist, die Wirkungen des Lichtes festzuhalten und wiederzugeben“, brachte es die französische Malerin Marie Bracquemond (1840–1916) auf den Punkt – das in tausend Tupfen aufgelöste Licht der Impressionisten bezaubert den Betrachter noch heute. Und der „Meister des Lichts“ William Turner schließlich malte es wie kaum ein anderer.

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Foto: Ina Riepe

Ina Riepe - Licht und Schatten - 02


Foto: Ina Riepe

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Foto: Ina Riepe

Ina Riepe - Licht und Schatten - 04


Foto: Ina Riepe

In der Landschaftsmalerei kommt dem Licht eine besondere Bedeutung zu. In dieser sparsamen, mit 40 x 60 cm kleinformatigen und in Öl auf Leinwand ausgeführten Landschaftsszene sind nur wenige Din­ge zu sehen: Ein Stück Straße, ansteigend in einer Kurve, ein Wegweiser, anhand dessen die Szenerie sich trotzdem nicht weiter verorten lässt. Ein roter Abfallbehälter mit blauem Müllsack, ein nicht näher definierter (Beton-)Kubus hinter einem grasbewach­senen, sanft ansteigenden Hügel. Der bedeckte Him­mel überfängt die Landschaft und macht mindestens wechselhaftes Wetter spürbar, obwohl – davon kün­den die Schatten – die Sonne ins Bild fällt und auf der schmalen Wasserlinie schimmert.

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Foto: Ina Riepe

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Foto: Ina Riepe

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Foto: Ina Riepe

Über dem Kreidegrund auf Leinwand wurde eine leicht getönte Leinölgrundierung aufgetragen, auf der sich Helldunkelwerte fein steuern lassen. Der Abfallbehälter und der Wegweiser werfen vergleichs­weise wenig Schatten – dies unterstützt die Hell­dunkelwirkung, die jedoch eigentlich in den drei Objekten selbst stattfindet. Schritt für Schritt werden sie ausgearbeitet, in gestreckter, runder und kubi­scher Form. Das Spiel des stark gebündelten Lichts wird immer deutlicher in den Kontrasten und Farben– am Abfallbehälter im Vordergrund reichen sie von Hellrosa über Rot bis zu einem tiefdunklen Rotschwarz und erzeugen Plastizität ebenso wie stimmungsvolle Atmosphäre.

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Foto: Ina Riepe

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