Buchtipp

The Floating Piers

Es war DAS Kunstereignis des Jahres 2016: Mehr als 1,2 Millionen interessierte Besucher pilgerten im Frühsommer an den oberitalienischen Iseo-See, um dort die poetische Land-Art-Installation des Verhüllungskünstlers Christo zu erleben. Für 16 Tage hatte er der Landschaft ein anderes Gesicht und den Besuchern die Möglichkeit gegeben, sich „an ihrem Dasein zu erfreuen“, indem sie u.a. über Wasser wandelten. Nun zeigt ein Bildband den langen Weg von der ersten Idee zur Umsetzung des Projektes.

Der im Taschen Verlag erschienene Band „Christo and Jeanne-Claude. The Floating Piers“ dokumentiert eingehend das Kunstwerk, seine Entstehung und Umsetzung. „Schon 1970 hatten Jeanne-Claude und ich ‚The Floating Piers’ zum ersten Mal konzipiert. Später erschien mir dann der Iseo-See am besten geeignet, um dieses Projekt umzusetzen“, schreibt Christo in seiner Pressemitteilung. So erklärt sich, warum das temporäre Kunstwerk im Titel als Gemeinschaftsprojekt des Künstlerpaars Christo und der 2009 verstorbenen Jeanne-Claude ausgewiesen wird.

Das Buch bezieht sämtliche Entstehungsdetails ein: Collagen, Modelle und Entwürfe zeugen von Christos und Jeanne-Claudes schöpferischer Vorstellungskraft, Christos eindrucksvolle Skizzen führen das geplante Ergebnis überzeugend vor Augen. Gleich zu Beginn wird deutlich, dass Kunst als gesellschaftliches Ereignis immer auch in Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen eingebunden und nur mithilfe einflussreicher Befürworter und Mitstreiter zu realisieren ist. Ihrer Unterstützung ist es zu verdanken, dass der enorme technische, bürokratische und logistische Aufwand, der mit dem Projekt verbunden ist, bewältigt werden konnte. Von den Genehmigungsverfahren bis zur Stoffherstellung gibt die Publikation Einblick in das Procedere, das die Idee der „Floating Piers“ u.a. mit 100.000 Quadratmetern gelben Stoffs, 80.000 Quadratmetern Filz und 220.000 hochverdichteten Polyäthylenwürfeln zum Schwimmen brachte.

Wie alle Projekte von Christo und Jeanne-Claude wird auch „The Floating Piers“ ausschließlich durch den Verkauf von Christos Originalkunstwerken finanziert, werden sämtliche Bestandteile abgebaut und wiederverwertet. Das macht das Buch umso kostbarer. Der Fotograf Wolfgang Volz hat das mehrjährige Projekt eng begleitet und lässt die Leserinnen und Lesern an den wesentlichen Aspekten teilhaben. Seine dokumentierenden Fotografien legen Zeugnis ab von dem temporären Kunstereignis und bietet auch denjenigen einen lebendigen Zugang, die es nicht selbst erleben konnten.

 

Die Künstler

Die Künstler Christo und Jeanne-Claude arbeiteten seit 1961 zusammen. Sie lebten seit 1964 in New York City. Gemeinsam haben sie die Projekte „Wrapped Coast“, Australia, 1968–69, „Valley Curtain“, Grand Hogback, Rifle, Colorado, 1970–72, „Running Fence“, Sonoma and Marin Counties, California, 1972–76, „Surrounded Islands“, Biscayne Bay, Greater Miami, Florida, 1980–83, „The Pont Neuf Wrapped“, Paris, 1975–85, „The Umbrellas“, Japan–USA, 1984–91, „Wrapped Reichstag“, Berlin, 1971–95, „Wrapped Trees“, Riehen, Switzerland, 1997– 98 und „The Gates“, Central Park, New York City, 1979-2005 realisiert. Jeanne-Claude starb 2009.

Der Autor und Fotograf

Wolfgang Volz arbeitet seit 1971 mit Christo und Jeanne-Claude zusammen. Er war Project Director (gemeinsam mit Roland Specker) für den „Verhüllten Reichstag“, Berlin, 1995 und (gemeinsam mit Josy Kraft) für die „Verhüllten Bäume“, Riehen bei Basel, 1998. Weiterhin leitete er die Ausführung von „The Wall –13,000 Oil Barrels“, Gasometer Oberhausen, 1999 und „Big Air Package“, Gasometer Oberhausen, 2013. Er ist der Exklusiv-Fotograf der Werke von Christo und Jeanne-Claude. Durch diese enge Zusammenarbeit entstanden viele Bücher und mehr als 300 Ausstellungen in Museen und Galerien weltweit.

Der Autor

Jonathan William Henery ist der Sohn von Jeanne-Claudes Schwester Joyce May Henery. Von 1996 bis 2009 war er Jeanne-Claudes Assistent, heute leitet er das Büro von Christo und hat an vielen Publikationen über ihr Werk mitgewirkt.

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