Buchtipp

Let’s talk abstract

„Auch die abstrakte Malerei hat eine Realität“

Gerhard Richter

Viele Kunstinteressierte, aber auch Fachleute stehen immer wieder ratlos vor abstrakten Gemälden. Nach der Erfindung der Fotografie Ende des 19. Jahrhunderts befreite sich die Malerei sukzessive von der gegenständlichen Wiedergabe ihrer Umgebung und entwickelte eine Welt der reinen Form und Farbe. Die ungegenständlichen Werke haben oft etwas Hermetisches und Rätselhaftes und verschließen sich der einfachen Interpretation.

 

Das Buch „Let’s talk abstract“ versucht, die Undurchdringlichkeit abstrakter Malerei aufzubrechen und sie dem Betrachter nahezubringen. Dazu führt die Herausgeberin Carolin Scharpff- Striebich – Sammlerin und Leiterin der Sammlung Scharpff – pointierte Gespräche mit 16 Persönlichkeiten des internationalen Kunstbetriebs, die sich jeweils ein abstraktes Bild ausgesucht haben und es hier kommentieren. Diese Interviews über nur ein einziges Werk machen exemplarisch die künstlerische Idee, die in ihm ihren Ausdruck gefunden hat, anschaulich und erfahrbar. Es werden keine schnellen Antworten gegeben, sondern Zugänge eröffnet. Auch wenn die Abbildungen in diesem ansonsten schön gestalteten Buch nur klein ausfallen, vermittelt diese Zusammenschau Wesentliches. Sie zeigt, dass abstrakte Kunst viele verschiedene Zugänge erlaubt und neue Welten eröffnen kann. Es lohnt sich eben, genauer hinzusehen.

Die Gesprächspartner und die besprochenen Arbeiten: Marion Acker – mann (Bridget Riley – In Excelsis), Richard Armstrong (Al Held – Mercury Zone II), Kirsty Bell (Mary Heilmann – Little Mondrian), Caroline Bourgeois (Albert Oehlen – Untitled), Julia Friedrich (Gerhard Richter – Grau), Walter Grasskamp (Roy Lichtenstein – Brush stroke), Hans-Jürgen Hafner (Klaus Merkel – 06.08.01 Gelenk), Pamela Joyner (Jack Whitten – Omikron), Philipp Kaiser (Charline von Heyl – Orpheus), Christiane Lange (Philip Guston – For M.), Christian Malycha (André Butzer – Ohne Titel), Frances Morris (Agnes Martin – Untitled), Hans-Joachim Müller (Arnulf Rainer – Violettrot vertikal), Mary Rozell (Terry Winters – Image Location), Wolfgang Ullrich (Anton Henning – Interieur No. 542), Hélène Vandenberghe (Philippe Vandenberg – Untitled)

Es gibt zu diesem Beitrag.
Kommentare einblenden