Buchtipp

Wax – die Farben Afrikas

Die Globalisierungsgeschichte einer Färbetechnik

Prachtvoll farbige Wax-Stoffe zieren die Models auf den Laufstegen von Paris über Mailand bis nach New York: In jüngster Zeit haben internationale Modeschöpfer sie für sich entdeckt. Ein gerade erschienenes Buch erklärt die Technik, zeigt Vielfalt und Bedeutung der Farben und Muster auf und erzählt aufschlussreich die Geschichte der Wax-Stoffe in afrikanischen Ländern.

Wax, das sind knallbunte Baumwollstoffe, die mithilfe einer besonderen Technik hergestellt werden. Dabei werden die später auf dem Stoff erscheinenden Muster zunächst ausgespart, indem man Wachs auf die Textilien aufträgt und sie anschließend färbt. Ihre Muster und Farben stehen für Afrika, dort sind Kleidungsstücke aus dem traditionell gefärbten Stoff allgegenwärtig. Die farben- und motivreichen Stoffe, die in dieser Technik hergestellt werden, haben dort aber nicht nur körperverhüllende Funktion, sondern sie sind in den afrikanischen Ländern, in denen sie verbreitet sind, auch von wirtschaftlicher, sozialer, religiöser und politischer Bedeutung, stellt Anne-Marie Bouttiaux im Vorwort zu ihrem Buch „Wax. Die Farben Afrikas“ fest. Wax-Stoffe sind Ausdruck von Identität, können rituelle Botschaften vermitteln, zeugen von Wohlstand oder dienen als Zeichen von Macht.

Ursprünglich stammt die Technik des Färbens mit Wachs aus Indonesien, heißt dort Batik und wurde 2009 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe Indonesiens anerkannt. Es waren die Holländer, die im späten 16. Jahrhundert die javanesische Batik nach Europa brachten und um 1880 mit der industriellen Herstellung von Wax-Stoffen begannen. Vor allem wurden sie nach Westafrika verkauft, und die dortigen Vorlieben flossen in die Designs der Farben und Muster ein. Obwohl es auch in Afrika Produktionsstätten gibt, kommen die teuersten Stoffe nach wie vor aus Holland.

Für Anne-Marie Bouttiaux kommt den Waxprints afrikanischen Stils daher ein Platz in der Geschichte der Globalisierung zu: Sie sind afrikanisch, ohne es in ihrem Ursprung zu sein. Naheliegende Themen wie Identität oder Kolonialisierung klammert sie dabei nicht aus, sondern regt mit einem übergreifenden kulturanthropologischen Blick zum Nachdenken an. Eine aufschlussreiche, großzügig illustrierte Kulturgeschichte.

Die Autorin

Anne-Marie Bouttiaux ist Anthropologin und Kunsthistorikerin. Bis 2014 war sie Leiterin der ethnografischen Abteilung des Königlichen Museums für Zentralafrika in Belgien. Bouttiaux hat zahlreiche Bücher über afrikanische Kunst und Stoffe veröffentlicht.

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