Ausstellung

Wanderlust

Weite Traumlandschaften und moderne Naturerfahrung
in der Alten Nationalgalerie

Wer heute an das Wandern als Motiv in der Malerei denkt, hat vermutlich sofort Caspar David Friedrichs berühmtes Gemälde „Wanderer über dem Nebelmeer“ von ca. 1817 vor Augen. Diese herausragende Leihgabe aus der Hamburger Kunsthalle bildet den Ausgangspunkt für eine Sonderausstellung in der Alten Nationalgalerie in Berlin: Die Schau „Wanderlust. Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir“ ist vom 10. Mai bis zum 16. September 2018 zu sehen. Sie spürt erstmals diesem für die Kunst überraschend zentralen Thema durch das gesamte 19. Jahrhundert bis hin zu Ferdinand Hodler und Paul Gauguin nach und lädt ein zu einer Wanderung zu Traumlandschaften und durch ein umfassendes Panorama moderner Naturerfahrung im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Caspar David Friedrich, Wanderer über dem Nebelmeer, um 1817

Caspar David Friedrich, Wanderer über dem Nebelmeer, um 1817, Öl auf Leinwand, 94,8 x 74,8 cm, Hamburger Kunsthalle
© SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk / Elke Walford

Mit Rousseaus Parole „Zurück zur Natur!“ und Goethes Sturm und Drang- Dichtung wird das Wandern um 1800 zum Ausdruck eines modernen Lebensgefühls. Angesichts der rasanten gesellschaftlichen Umbrüche seit der Französischen Revolution entwickelt sich in einer Gegenbewegung eine neue Form der entschleunigten Selbst- und Welterkenntnis, die bis heute nachwirkt. Seit der Romantik erobern sich Künstler die Natur zu Fuß und unter neuen Aspekten. Dem Wandern wächst dabei in der Kunst die sinnbildliche Bedeutung der Lebensreise und der symbolischen Pilgerschaft zu. Diese selbstbestimmte Reise eröffnet eine neue, intensive Art der Naturbegegnung und eine sinnliche wie auch körperliche Form der Weltaneignung.

„Als Seismografen gesellschaftlicher Trends zählten Künstler zu den Ersten, die ihren Rucksack schnürten, um ihre Seh- und Sehnsucht nach den Wundern der Natur zu befriedigen. Die Grundvoraussetzung hierfür war der entschieden moderne Gedanke, die Natur nicht mehr als reine Wildnis, sondern als schön und erhaben zu begreifen“, so Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie, und Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie, in ihrer Einführung zum Ausstellungskatalog. „Der Wagemut erfordernde Aufbruch ins Ungewisse klingt wie eine Metapher schöpferischer Prozesse schlechthin. In diesem Sinne war die Wanderung ein von vielen Künstlern bewusst gewähltes Mittel zur malerischen Horizonterweiterung. Das Gewünschte und Außergewöhnliche des Erlebnisses lag häufig gerade in der Konfrontation mit dem Unvorhergesehenen. Auf neuen Wegen unterwegs zu sein erlaubt es nicht nur, neue Eindrücke zu sammeln, die Perspektive zu wechseln und Innenschau zu halten, sondern auch der Kreativität ihren Lauf zu lassen. Die Freiheit, beim absichtslosen Umherstreifen jederzeit selbstbestimmt Entscheidungen über Richtung und Tempo zu treffen, eröffnet die Möglichkeit, dem Zufall nachzugeben, und erschließt neue Reflexionsräume.“

 

Auguste Renoir, Ansteigender Weg durch hohes Gras, 1876/77

Auguste Renoir, Ansteigender Weg durch hohes Gras, 1876/77, Öl auf Leinwand, 60 x 74 cm
Musée d'Orsay, Paris, © Musée d'Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt

Paul Gauguin, Bonjour Monsieur Gauguin, 1889

Paul Gauguin, Bonjour Monsieur Gauguin, 1889, Öl auf Leinwand, 92,5 x 74 cm, (ausgestellt vom 10.05.-01.06.2018)
Nationalgalerie Prag, © Nationalgalerie Prag

Gustave Courbet, Die Begegnung oder Bonjour Monsieur Courbet, 1854

Gustave Courbet, Die Begegnung oder Bonjour Monsieur Courbet, 1854, Öl auf Leinwand, 132 x 150,5 cm
Musée Fabre, Montpellier, © Musée Fabre de Montpellier Méditerranée / Frédéric Jaulmes

Moritz von Schwind, Die Rose oder Die Künstlerwanderung, 1846/47

Moritz von Schwind, Die Rose oder Die Künstlerwanderung, 1846/47, Öl auf Leinwand, 216 x 134 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Andres Kilger

Hans Thoma, Einsamkeit, 1906

Hans Thoma, Einsamkeit, 1906, Öl auf Karton, 82 x 67 cm
Sammlung Landesbank Baden-Württemberg, © Sammlung Landesbank Baden-Württemberg / Heinz Pelz

Karl Friedrich Schinkel, Felsentor, 1818

Karl Friedrich Schinkel, Felsentor, 1818, Öl auf Leinwand, 74 x 48 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders

Die in der Ausstellung präsentierten Werke von Meistern wie Caspar David Friedrich, Carl Blechen, Karl Friedrich Schinkel und Johan Christian Dahl über Gustave Courbet bis hin zu Ferdinand Hodler, Auguste Renoir und Paul Gauguin verdeutlichen, wie wirkmächtig und fruchtbar das Motiv des Wanderns für die Kunst des gesamten 19. Jahrhunderts nicht nur in Deutschland, sondern von Frankreich bis Norwegen und von Russland bis in die USA war.

Thematisch gliedert sich die Schau in verschiedene Kapitel: „Entdeckung der Natur “, „Lebensreise“, „Künstlerwanderung“, „Spaziergänge“ und „Wanderlandschaften diesseits und jenseits der Alpen“. Bedeutende Leihgaben aus wichtigen internationalen Museumssammlungen bereichern die ausgewählten Werke aus der Sammlung der Nationalgalerie zu einer um die 100 Werke umfassenden Großausstellung.


Auf einen Blick

Die Ausstellung

Wanderlust. Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir ist vom 10. Mai bis zum 16. September 2018 zu sehen.

Katalog

Wanderlust. Von Caspar David Friedrich bis Auguste Renoir, Birgit Verwiebe und Gabriel Montua (Hrsg.) für die Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin. Mit Beiträgen von C. Denk, A. Dorgerloh, R. Gleis, G. Montua, E. Osterkamp, A. Pfäfflin, B. Verwiebe, A. Wesenberg, Klappenbroschur, ca. 320 Seiten mit ca. 190 farbigen Abbildungen, 24,5 x 29 cm, Hirmer, ISBN 9783777430188

Kontakt

Alte Nationalgalerie
Staatliche Museen zu Berlin
Bodestraße 1–3, 10178 Berlin
www.wanderlustinberlin.de

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Profile

Staatliche Museen zu Berlin

Die Alte Nationalgalerie zeigt eine der bedeutendsten deutschen Sammlungen der Kunst des 19. Jahrhunderts, die u. a. Werke von Caspar David Friedrich, Adolph Menzel, Edouard Manet, Claude Monet, Auguste Renoir oder Auguste Rodin beinhaltet. Zusammen mit dem Alten Museum, dem Bode-Museum, dem Neuen Museum und dem Pergamonmuseum bildet sie das Ensemble der Berliner Museumsinsel, die 1999 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Das imposante Gebäude der Alten Nationalgalerie entstand von 1866 bis 1876 nach Plänen Friedrich August Stülers.

[Foto: © Staatliche Museen zu Berlin /Maximilian Meisse]

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