Ausstellung

Reine Kopfsache

„Hauptsache Kopf“ in der Kunsthalle Emden

Man kann ihn in den Sand stecken oder ein Brett davor haben, ihn hängen lassen, hoch tragen oder aber verlieren. Er kann dick sein, hohl oder verdreht, aber am liebsten hat man ihn hell und klar: Der Kopf ist ein vielfältiges Thema – und dies, weil er als der wohl wichtigste Körperteil des Menschen gilt: Im Kopf sind gemeinhin Denken und Verstand verortet, das Bewusstsein und die Imagination, während dem lebenspulsierenden Herz das Gefühl zugeordnet wird.

Kein anderer Teil des Menschen wurde so häufig zum Bildthema erhoben wie der Kopf – ob zur Ikone stilisiert wie bei Alexej von Jawlensky, expressiv übermalt wie bei Arnulf Rainer, als Erscheinung bei Miriam Cahn oder kopfstehend wie bei Georg Baselitz. Die Sammlung der Kunsthalle Emden beherbergt eine große Anzahl von Kopf-Darstellungen aus der Kunst des 20. Jahrhunderts, hinzu kommt eine Schenkung afrikanischer Masken. Die Ausstellung „Hauptsache Kopf. Jawlensky, Warhol, Cahn“ in der Kunsthalle Emden erweitert das breite eigene Spektrum um Werke der internationalen Kunst der Gegenwart. Bis zum 19. Mai 2019 sind etwa 150 Werke zu sehen.

Andy Warhol, ohne Titel, aus: Marilyn Monroe, Serie von 10 Siebdrucken, 1967 (c) 2018 Andy Warhol Foundation for the Visual Arts / Artists Rights Society (ARS), New York

Andy Warhol, ohne Titel, aus: Marilyn Monroe, Serie von 10 Siebdrucken, 1967
© 2018 Andy Warhol Foundation for the Visual Arts / Artists Rights Society (ARS), New York

Emil Nolde, Madonnenkopf, o. J., Aquarell/Japanpapier, 46,5 x 35,2 cm © Nolde Stiftung Seebüll. Sammlung Kunsthalle Emden

Emil Nolde, Madonnenkopf, o. J., Aquarell/Japanpapier, 46,5 x 35,2 cm
© Nolde Stiftung Seebüll. Sammlung Kunsthalle Emden

Arnulf Rainer, Scaramouche, 1970, Öl/Foto, 95,1 x 74,2 cm © Arnulf Rainer. Sammlung Kunsthalle Emden

Arnulf Rainer, Scaramouche, 1970, Öl/Foto, 95,1 x 74,2 cm
© Arnulf Rainer. Sammlung Kunsthalle Emden

Die künstlerische Faszination für den Kopf mag darin begründet liegen, dass er der Vorstellung des „Ich“ am nächsten kommt. Nur wenige visuelle Zeichen reichen aus, um ein Gesicht in Bäume oder Wolken hineinzulesen. Neue Phänomene wie der Selfie-Hype, die Face ID-Technolgoie oder die Dauerpräsenz im Internet führen heute zur möglichst einzigartigen Darstellung des Individuums – das Bild der Oberfläche als Ausweis unseres Selbst.

Doch während das klassische Porträt Auskunft über Äußeres, Hintergrund, Charakter, Stellung, Alter und Geschlecht einer bestimmten Person gibt, rückt die Emdener Ausstellung entpersonalisierte, stilisierte oder verfremdete Darstellungen von Köpfen in den Fokus. Lediglich auf das Haupt reduziert und von allem zeittypischen Zubehör befreit, werden die Kopfdarstellungen zu Metaphern der humanen Befindlichkeit und der menschlichen Existenz. Darüber hinaus sind diese Kopfdarstellungen auch immer ein Spiegel der Zeit, in der sie entstanden sind: Sie liefern genauso Hinweise über die Befindlichkeit der Künstlerinnen und Künstler wie über die großen gesellschaftlichen Fragestellungen ihres Entstehungskontextes.

Die Ausstellung setzt Werke von der klassischen Moderne bis zur Gegenwartskunst in einen ebenso vielfältigen wie an regenden Dialog. Zu sehen sind Arbeiten von Pierre Alechinsky, Georg Baselitz, Miriam Cahn, Rainer Fetting, Erich Heckel, Alexej von Jawlensky, Per Kirkeby, Emil Nolde, Carl-Henning Pedersen, Arnulf Rainer und Antonio Saura (aus der Sammlung der Kunsthalle Emden) sowie von Franz Bernhard, Huma Bhabha, Rolf Bier, Louisa Clement, Mariechen Danz, Friedrich Einhoff, Thomas Geiger, Tamara Grcic, Raoul Hausmann, Johannes Kahrs, Max Neumann, Meret Oppenheim, Tony Oursler, Thomas Schütte, Annegret Soltau und Andy Warhol (Leihgaben).

 

Auf einen Blick
Bis 19. Mai 2019
Hauptsache Kopf. Jawlensky, Warhol, Cahn

Kontakt
Kunsthalle Emden
Stiftung Henri und Eske Nannen
und Schenkung Otto van de Loo
Hinter dem Rahmen 13
26721 Emden
www.kunsthalle-emden.de

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