Ausstellung

Auf Freiheit zugeschnitten

Das Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld zeigt das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft

Mit einer umfangreichen Schau einmaliger und selten gezeigter Exponate beleuchten die Kunstmuseen Krefeld die komplexe Wechselbeziehung von Mode und Kunst, Fotografie und Tanz. Anschaulich und aufschlussreich inszeniert,  führt sie zurück in die Zeit der Reformbewegung zwischen 1900 und 1914, als diese Entwicklung ihren Anfang nahm. Von den Präraffaeliten über die Gesamtkunstwerk-Entwürfe des Jugendstils, der Wiener Werkstätte und der Expressionisten, vom Ausdruckstanz bis zu neuen Medien der Inszenierung und Verbreitung wie Fotografie, Plakat und Modezeichnung spannt sie ein Panorama der frühen Moderne.

Die Einheit von Kunst und Leben, nach der die Reformbewegungen um 1900 strebten, inspirierte Künstler, auch mit dem Kleid der Frau gestalterisch zu experimentieren. Frauenmode sollte nicht länger nur bequem und gesund sein, wie es dem Grundgedanken der Lebensreform entsprach, sondern darüber hinaus auch eine ästhetisch anspruchsvolle Gestaltung erfahren – und zwar durch Künstlerinnen und Künstler.

Mit der Aufhebung der Grenzen von freier und angewandter Kunst erhielten Kunstschaffende eine Schlüsselrolle bei der Erfindung neuer, zeitgemäßer Formen. Architektur, Einrichtung und Ausstattung wurden als Gesamtkunstwerk definiert und aus einer einheitlichen Formensprache heraus gedacht. In diesen Kontext gehörte nun auch das Künstlerkleid, dessen Erscheinung sich an der Rauminszenierung wie an der Individualität der Trägerin orientierte. Die Kleiderentwürfe des Jugendstils zeigen eine erneuerte Auffassung von Schönheit, die, wie Henry van de Velde es ausdrückte, als „Waffe“ wirken sollte. Bei der jungen Avantgarde wurde das selbst entworfene Kleid zu einem unabhängigen Kunstwerk, das die Empfindung als Bewegung in den Raum übertrug. Und Giacomo Balla attackierte mit seinem radikal neuen Design von Anzug und Krawatte die „Uniform“ und das Männlichkeitssymbol des Mannes und verknüpfte damit eine politische Botschaft.

Im August 1900 fand in Krefeld die erste Ausstellung künstlerischer Reformkleider in Deutschland statt: Angeregt von Friedrich Deneken, dem Gründungsdirektor des Kaiser Wilhelm Museums, wurden Kleiderentwürfe von bekannten KünstlerInnen gezeigt, darunter Henry van de Velde, Alfred Mohrbutter, Richard Riemerschmid und Margarete von Brauchitsch. Ausgehend von dieser historischen Ausstellung untersucht die aktuelle Schau die Voraussetzungen, Auswirkungen und geschichtlichen Verflechtungen zwischen den ProtagonistInnen. Dabei rücken erstmals die komplexen Wechselbeziehungen zwischen freier Kunst, Kunsthandwerk, Mode, Fotografie und Tanz in den Blick, ebenso wie das Netzwerk, das sich von den Zentren des künstlerischen Aufbruchs in Deutschland über Belgien, Holland, Wien und Paris bis nach England und Glasgow spannte. Das Bild der Frau, das sich innerhalb der Reformbewegung in unterschiedlichsten Facetten spiegelt, von der Frau als dekorativem Objekt bis zur Frau als schöpferischer Künstlerin und selbstständiger Unternehmerin, wird eingehend analysiert und neu bewertet.

Die opulente Schau vereint Bestände der eigenen Sammlung mit zahlreichen hochkarätigen Leihgaben aus dem In- und Ausland. Zu sehen sind Arbeiten von Léon Bakst, Giacomo Balla, Vanessa Bell, Edward Burne-Jones, Walter Crane, Sonia Delaunay, Clotilde von Derp, Isadora Duncan, Emilie Flöge, Mariano Fortuny, Josef Hoffmann, Ludwig von Hofmann, Wassily Kandinsky, Gustav Klimt, Mela Köhler, Frances Macdonald MacNair, August Macke, Ditha Moser, Koloman Moser, Gabriele Münter, Anna Muthesius, Else Oppler, Paul Poiret, Johan Thorn Prikker, Richard Riemerschmid, Dante Gabriel Rossetti, Emmy Schoch, Johan Thorn Prikker, Henry und Maria van de Velde, Heinrich Vogeler, Edouard Vuillard u.a.m.

 

Auf einen Blick:

Ausstellung:
Auf Freiheit zugeschnitten. Das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft
Ort: Kaiser Wilhelm Museum, Joseph-Beuys-Platz 1, 47798 Krefeld
Dauer: bis zum 24. Februar 2019

Internet: www.kunstmuseenkrefeld.de

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 11–17 Uhr

Katalog
Magdalena Holzhey, Ina Ewers-Schultz (Hrsg.): Auf Freiheit zugeschnitten. Das Künstlerkleid um 1900 in Mode, Kunst und Gesellschaft. ISBN: 978-3-7774-3113-0

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Das Kaiser Wilhelm Museum ist nach vierjähriger Sanierungsarbeit ist seit 2016 wieder zugänglich. Auf der zweiten Etage des Kaiser Wilhelm Museum sind zwei von dem Künstler Joseph Beuys (1921–1986) selbst installierte Werkräume sowie das Wandgemälde „Lebensalter“ von Johan Thorn Prikker (1868–1932) mit seiner Darstellung des Kreislaufs des Lebens permanent zu sehen.
Die Sammlung der Kunstmuseen Krefeld umfasst rund 14.000 Werke aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Neue Medien. Der Schwerpunkt liegt auf der modernen und zeitgenössischen Kunst seit 1945, die mit Werken des Informel und von Zero über Pop Art, Minimal Art, Concept Art und Land Art bis zur Malerei und zu raumbezogenen Arbeiten der Gegenwart vertreten ist.

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