Ausstellung

Anton Corbijn.
The Living and the Dead

Das Bucerius Kunst Forum widmet dem niederländischen Fotografen eine umfassende Retrospektive.

Seit über vier Jahrzehnten prägt Anton Corbijn mit seinen ikonischen Porträts das Image von Bands und Musikern wie Depeche Mode, U2 oder Tom Waits. In einer umfassenden Werkschau werden in Hamburg noch bis zum 6. Januar 2019 rund 120 Arbeiten des international renommierten Fotografen aus 40 Schaffensjahren gezeigt, darunter etwa 20 bisher unveröffentlichte Fotografien. Die Ausstellung stellt den meist im Auftrag entstandenen Musikerporträts rund 40 freie Arbeiten des Künstlers gegenüber. Dabei spürt sie der Frage nach, wann Fotografie zu Kunst wird.

Anton Corbijn. The Living and the Dead zeigt die ikonischen Porträts von Musikern und Bands wie Joy Division, Depeche Mode, Tom Waits, U2 oder den Rolling Stones, die Corbijn berühmt gemacht haben. Im Zentrum der Schau steht seine autobiografischste Serie: a. somebody. Für diese inszenierte sich Corbijn als Musiker und fotografierte sich in der ländlichen Umgebung seines Geburtsorts Strijen. Die Faszination für die Idole seiner Jugend, wie John Lennon, Jimi Hendrix oder Janis Joplin, wurde für den Künstler prägend. Sie half ihm, sich geistig von der einengenden Provinz und der Fixierung seines religiösen Elternhauses auf das Leben nach dem Tod zu befreien. „I wanted to be freer, and the music represented that for me”, so Corbijn.

Anton Corbijn (1955): Joy Division, London 1979, Leihgabe des Künstlers, © Anton Corbijn, 2018

Anton Corbijn (1955): Joy Division, London 1979, Leihgabe des Künstlers
© Anton Corbijn, 2018

JONI MITCHELL, SANTA MONICA 1999, © ANTON CORBIJN, 2018

JONI MITCHELL, SANTA MONICA 1999
© ANTON CORBIJN, 2018

Anton Corbijn (1955): Henry Rollins, El Mirage 1994, Leihgabe des Künstlers, © Anton Corbijn, 2018

Anton Corbijn (1955): Henry Rollins, El Mirage 1994, Leihgabe des Künstlers
© Anton Corbijn, 2018

Die Ausstellung im Bucerius Kunst Forum umfasst 119 analog entstandene Arbeiten Anton Corbijns, darunter bisher unveröffentlichte Aufnahmen. Kurator Franz Wilhelm Kaiser gliedert die Schau in zwei Teile. Der erste Teil der Ausstellung widmet sich den meist als Auftragsarbeiten entstandenen Musikerporträts und zeigt eine Auswahl von 77 seiner bekanntesten Fotografien aus 40 Jahren seines Schaffens. Dabei handelt es sich um Arbeiten aus verschiedenen Serien, die jeweils ein eigenes Format und eine eigene Ästhetik aufweisen. Viele davon wurden zu ikonischen Bildern. Sein imperfekter, narrativer Stil prägte das Image zahlreicher Musiker und passte zum Selbstverständnis dieser Künstler, die sich von den Rockmusikern der älteren Generation abheben wollten. Corbijns völlig unglamouröse Mischung von leicht arroganter Pose und Natürlichkeit war etwas ganz Neues in der Musikfotografie. Bei seinen Auftragsarbeiten erkämpfte Corbijn sich schon früh schöpferische Freiheit, um seinen sehr eigenen Stil umsetzen zu können.

Anton Corbijn hat sich immer wieder mit Sinnfragen des Lebens auseinandergesetzt. Dass viele der von ihm fotografierten Musiker relativ jung starben, beschäftigte ihn fortwährend. Ein früher Beleg dafür ist seine Anfang der 1980er Jahre entstandene Serie von Grabmonumenten auf katholischen Friedhöfen. Corbijns Suche nach dem „Warum“ kulminierte zwanzig Jahre später in seinem Projekt a. somebody. Der zweite Teil der Ausstellung setzt den Musikerporträts diese freien Arbeiten entgegen. Für die zweiteilige Serie a. somebody begibt sich Corbijn in der Maskerade von Musikern in die ländliche Umgebung seiner Kindheit und Jugend. Den in Strijen entstandenen Farbfotografien stehen hochformatige Schwarz-Weiß-Fotografien gegenüber, die im Studio aufgenommen wurden und an Passbilder erinnern. Diese Arbeiten sind die wohl freiesten Fotografien des Künstlers. Für die Serie Cemeteries fotografierte Anton Corbijn keine Menschen, sondern ausnahmsweise Grabmonumente in seiner charakteristischen Bildsprache. Diese bisher nicht veröffentlichte Serie entstand 1982, in der Zeit Corbijns großen Durchbruchs.

Wie viele Fotografen hat Corbijn lange an der Schnittstelle zwischen freier und angewandter Fotografie gearbeitet. Und so untersucht die Ausstellung anhand seiner Porträts von Bands und Musikern, seiner Musiker-Selbstporträts und der bisher noch nie gezeigten Cemeteries-Serie nicht nur Corbijns Auseinandersetzung mit „den Lebenden und den Toten“, sondern thematisiert zudem eine selten gestellte Frage: Wann wird Fotografie Kunst?

Die Ausstellung ist der Beitrag des Bucerius Kunst Forums zur Triennale der Photographie Hamburg 2018.


Auf einen Blick

Ausstellung: Anton Corbijn. The Living and the Dead
Zeitraum: bis zum 6. Januar 2019

Ort/Adresse: Bucerius Kunst Forum
Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg
T +49 (0)40 36 09 96 0

Öffnungszeiten:
Täglich 11:00 → 19:00 Uhr
Donnerstags 11:00 → 21:00 Uhr

E-Mail: info@buceriuskunstforum.de
Internet: www.buceriuskunstforum.de

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Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg ist ein internationales Ausstellungshaus, das sich durch seine fokussierten Ausstellungskonzepte sowie durch seine interdisziplinären Veranstaltungsprogramme als Forum für alle Künste versteht. Es überschreitet konventionelle Grenzen zwischen Künsten und Zeiten, hinterfragt bekannte Inhalte systematisch auf ihre aktuelle Relevanz und bietet einem breiten Publikum neue Zugänge zur Kunst. Ein hochkarätiges Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm liefert Denkanstöße und Orientierungshilfen für die Diskussion großer gesellschaftlicher Themen, den Austausch über Werte und den Platz der Kunst in einer globalisierten Welt.

[Foto: Bucerius Kunst Forum]

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