Buchtipp

Der Reiz des Wandels

Rosie Sanders malt überwältigende Blüten

Rosie Sanders ist eine Meisterin des Lichts: Sie malt Tulpen, Iris, Anemonen, Amaryllis, Rosen, Orchideen oder Gladiolen von wandfüllender Größe auf die Leinwand – im Gegenlicht erscheinen die Blüten so transparent, als wären sie aus Japanpapier. Der besondere Reiz liegt dabei nicht in der Schönheit des Vollkommenen: Mitunter ist es die Rückseite der Blüte, die die englische Malerin besonders interessiert, mal ist es der Moment des Wandels – kraftvoll erblüht oder im Vergehen begriffen.

Doch nicht nur die prächtigen Stars des Gartens finden Eingang in ihre Bilder, Rosie Sanders malt auch Wildblumen wie Löwenzahn und Taubnessel, Bambus und Bananenstauden. „Jedes Bild, das ich beginne, verlangt eine neue Sprache“, erklärt die Künstlerin in ihrem Buch „Überwältigende Blüten“. „Jedes Mal fühlt es sich fremd an, als ob dieses das erste Bild wäre, was ich jemals gemalt hätte. Die ersten Schritte sind vorsichtig vorantastend und können extrem schwierig sein, da ich meine gesamte Aufmerksamkeit einem winzigen Detail widme und es außer weißem Papier vor mir nichts gibt, auf das ich mich beziehen kann.“

 

Rosie Sanders - Überwältigende Blüten - Innenansicht

Rosie Sanders - Überwältigende Blüten - Innenansicht

Am Anfang steht für die Malerin die Betrachtung, das genaue Beobachten von allen Seiten, bevor sie in großem Maßstab zu malen beginnt. „Sobald ich diesen Anfang gemalt habe, stehe ich vor einem neuen Problem“, erklärt Rosie Sanders, „Was als Nächstes malen? Das ganze Bild ist also gewissermaßen ein Zusammenspiel von Schritten der Problemlösung und der Kunst zu wissen, wann man aufhören muss und welche Teile man auslässt.“ Dieser Prozess verändere die Blumen unmerklich, aber eindeutig, beschreibt Andreas Honegger in seinem Beitrag: „Sie gewinnen an Dreidimensionalität, sie werden zu Pflanzenarchitektur.“ Rosie Sanders bevorzugt Aquarellfarben, unterstreicht und pointiert mit ihnen das Spiel des Lichts. Sie schaut und übersetzt ins große Format, gibt Fülle, setzt Akzente und Lichter. „Ihre Augen holen für uns die stille Dramatik hervor, die in den Blüten liegt, in ihrem Werden und Vergehen“, so Honegger. „Es ist dieser kleine Hauch von Mehr, den die Fotografie nicht erreichen kann, der ihre Blumenbilder so überwältigend werden lässt.“

Die Autorin

Rosie Sanders, geboren in England, ist eine der bekanntesten Blumenkünstlerinnen des Landes. Sie arbeitet vorrangig mit Aquarellfarben und vergrößert die Blüten bis auf das Zehnfache auf Leinwand. Ihre Bilder wurden unter anderem mit fünf Goldmedaillen der berühmten Royal Horticultural Society ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet in Devon und gibt dort auch Malkurse: www.rosiesanders.com.

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