Buchtipp

So geht Kunst

Zeitgenössische Kunst lässt viele Menschen oft ratlos zurück: „Das soll jetzt Kunst sein?“, „Was unterscheidet eigentlich ‚gute‘ von ‚schlechter‘ Kunst?“, „Und wer entscheidet das?“ – Der britische Künstler und Exzentriker Grayson Perry stellt sich in seinem Buch „So geht Kunst“ all diesen Fragen und nimmt die Leser mit auf eine spannende, kompetente und humorvolle Entdeckungsreise in die Welt der Gegenwartskunst.

Basierend auf seinen populären „Reith Lectures“ für die BBC schreibt Grayson Perry amüsant und zugeneigt über das, was er als Insider sehr genau kennt: über die zeitgenössische Kunst und den Kunstbetrieb. In wunderbar anschaulichem und witzigem Plauderton erzählt er vom Sinn und Unsinn im internationalen Kunstzirkus, dem er selbst seit rund 35 Jahren angehört.

 

Jeder Mensch kann Kunst genießen, und jeder kann sein Leben der Kunst widmen, davon ist Perry überzeugt. „Es gibt keine soziale Qualifikation, keinen Bereich der Gesellschaft, zu dem man gehören muss. Mit etwas Übung, Ermutigung und Selbstvertrauen kann jeder sein – können Sie Ihr – Leben der Kunst widmen. Und dieses Buch liefert, so hoffe ich, die Grundlage dessen, was Sie dafür brauchen. Das heißt allerdings nicht, dass es leicht sein oder schnell und bequem vonstattengehen wird“, schreibt er in seinem Vorwort.

Sein unterhaltsamer Einstieg überzeugt mit der ihm eigenen Mischung aus Humor, Ironie, klaren Beobachtungen sowie präzisen Fakten. Mit Witz und scharfer Zunge kritisiert der Töpfer und Crossdresser die Arroganz, die unverständliche Sprache und die elitäre Haltung der Kunstwelt und bedient gerne das Schema: wir hier unten gegen die da oben. Vor populistischen Reflexen scheut sich der Turner-Preisträger ebenso wenig wie vor scheinbar banalen Fragen. Seiner Meinung nach braucht die Kunstwelt Menschen, die Fragen stellen. Denn das Nachdenken über Fragen hilft, Kunst zu genießen und zu verstehen.

Hier kritisiert einer die Kunstwelt, der gleichzeitig ein Teil von ihr ist. Grayson Perry lässt keinen Zweifel: er liebt die Kunst. Folglich verwendet er viel Mühe darauf, die Widersprüche in unserem Umgang mit der Kunst zu würdigen und differenziert zu betrachten. Seine humorvollen wie augenzwinkernden Karikaturen runden dieses kurzweilige Buch ab.

Der Autor

Grayson Perry (*1960) ist freischaffender Künstler, Keramiker, Teppichweber, Autor, Dozent und Moderator. 2003 gewann er den renommierten Turner Prize. Perry wurde mit klassisch geformten Keramikvasen bekannt, die er mit hellen bunten Farben und freien Motiven gestaltet. In seinen Arbeiten taucht häufig die Figur seines weibliches Alter Ego „Claire“ auf, mit der er sich in Crossdressing-Aktionen als Transvestit inszeniert und die Diskussion um „neutral gender“ auf spielerische Weise thematisiert.

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