Buchtipp

Gestaltung als Aufgabe

Architektur und Design sind seit jeher von Veränderungen in Gesellschaft, Märkten und Technik geprägt, eine problem- lösungsorientierte Formfindung ist daher die zentrale Aufgabe dieser Berufsfelder. Mit seinem Buch „Basics of Design“ plädiert Friedrich Christoph Wagner für eine profunde Ausbildung in den Grundlagen der Gestaltung. Mit seiner an anschaulichen Beispielen aus der Praxis reich illustrierten Didaktik richtet er sich an Lehrende und Studierende gleichermaßen.

„Wenn von Grundlagen der Gestaltung die Rede ist und im Tun Dinge und Vorgänge Gestalt annehmen, so sind immer alle Lebensbereiche enthalten, und der jeweilige Sinngehalt, den ein Mensch seinem Leben gibt, prägt seine Entscheidungen“, umschreibt Friedrich Christoph Wagner seinen anthropologischen Ansatz.

Im Mittelpunkt steht neben ästhetischen Aspekten „die Entfaltung der Kreativität, das Training der Wahrnehmung mit dem Schwerpunkt der plastisch-räumlichen Gestaltung und das Denken in Modellen.“ In seiner von subjektiven An- und Einsichten geprägten Darstellung kann der Egon-Eiermann-Schüler auf fast vierzig Jahre Erfahrung in der Hochschullehre zurückgreifen. U. a. unterrichtete er von 1974 bis 2002 als Professor für „Grundlagen der Gestaltung“ an der Peter Behrens School of Architecture in Düsseldorf.

Das Buch ist eine Zusammenfassung seiner Lehre, die Studierende an Themen wie Kreativität, Spiel, Skulptur, Raum, Fläche, Linie und Elemente der Architektur heranführt, die Grundlagen der Gestaltung verortet und eine praktische Didaktik der Kreativität, der Wahrnehmung und der Ästhetik entwickelt. Dafür formuliert Wagner Aufgabenstellungen, mit deren Hilfe die Wahrnehmung überprüft, die Logik der Form erkundet oder Verhältnisse wie Raum und Zeit, Symmetrie, Bewegung, Struktur und Proportion austariert werden. Die Vielfalt individueller Lösungswege zeigt sich in den zahlreichen studentischen Arbeitsbeispielen.

Einem ersten Block über Kreativitätstraining schließt sich ein großer Bereich skulpturaler Themen mit Studienarbeiten auf der Basis des „Leibraums“ und der „Logik der Form“ an. Darauf folgen Untersuchungen zum Phänomen Raum mit dessen topologischen und geometrischen Grundmustern sowie zu den Urbildern und Urakten in der Architektur. Weiter geht es dann mit der Erörterung von Flächen und Flächenstrukturen sowie der Linie mit entsprechenden Reihen- und Proportionsstudien. Unter „Elemente der Architektur“ zeigt der Autor schließlich Aufgaben und Ergebnisse, in denen Studenten sich mit Proxemik, mit Orten, Situationen, Verhaltensweisen von Menschen und der entsprechenden Gestalt der Architektur befasst haben.

Was Friedrich Christoph Wagners „Gestaltungshandbuch für Architekten und Designer“, wie es im Untertitel heißt, nicht wiedergeben kann, leistet die beigelegte DVD. Mit Klangbeispielen und Filmen zum Thema „Raum und Licht“ rundet sie das Arbeits- und Lehrbuch ab, das zielgerichtet dazu anleitet, eine individuelle Gestaltungshandschrift zu entwickeln.

Es gibt zu diesem Beitrag.
Kommentare einblenden