Buchtipp

Malen und Gestalten mit Menschen mit Demenz

Kunstmuseen nehmen Menschen mit demenziellen Veränderungen zunehmend in den Blick, denn Kunst belebt die Sinne, lässt Gedanken kreisen und weckt Emotionen. Angehörige und Institutionen können diese positiven Impulse für gemeinsame Erfahrungen mit Betroffenen nutzen. Sabina Leßmann, Wulpeka Schneider und Kathrin Stangl geben in ihrem Buch „Farben im Kopf“ vielfältige Anregungen zur bildnerisch-künstlerischen Arbeit speziell für Menschen mit Demenz.

Museen bieten sich dafür deshalb als ideale Orte an, weil ihre verschiedenen Eigenschaften und Besonderheiten dafür sorgen, „dass sich Menschen mit demenzieller Veränderung geborgen und gleichzeitig stimuliert fühlen. Wie ein Speicher, wie ein ‚großes kulturelles Gedächtnis‘ hortet das Museum seine Schätze und stellt sie zur Schau“, erklären die Autorinnen die Relevanz des Ortes. Im Museum vermischen sich die Zeiten, „und wir selbst begeben uns auf eine emotionale Zeitreise. Bei dieser Reise gibt es kein vorgegebenes Ziel. (…) Für Menschen mit demenzieller Veränderung fühlt sich diese ‚Offenheit‘ vertraut an.“

Dass der Kunst dabei eine ganz besondere Rolle zufällt, hat in den Augen der Autorinnen damit zu tun, dass sie uns mit dem Leben verbindet. „Sie zeigt und sie erzählt“, verwickelt uns in Gedanken und entfacht Erinnerungen. „Kunst spricht uns emotional an. Wir lassen uns berühren von einem künstlerischen Prozess, den wir nicht nachvollziehen können, wohl aber nachempfinden.“ Dabei ruft gegenständliche Kunst mit naturalistisch gestalteten Motiven Erinnerungen und persönliche Bezüge hervor und bestärkt die Lust am Erzählen, während abstrakte Malerei mit ihren Farben, Formen, Linienverläufen und rhythmischen Impulsen eher Gefühls- und Stimmungsräume öffnet.

Wie Kunstbetrachtung die Wahrnehmung mit allen Sinnen wecken, fördern und in positive Erfahrungen umsetzen kann, zeigt das Praxishandbuch „Farben im Kopf“. Mit 24 Ideen zum Malen und Gestalten eröffnet es demenziell Veränderten praktische Wege zur Kunst. Ob Farbklänge im Jahresverlauf, Blüten aus bunter Wolle, Collagen aus Papierstreifen und -kugeln, Malen mit Musik oder wilde Kleckserei – die Anregungen bringen den Körper zum Einsatz, lassen Materialien erkunden, kurz: sind so bunt und vielfältig wie die Kunst selbst.
Ausgearbeitete Anleitungen mit zahlreichen Praxisbeispielen sowie Hinweise zu geeigneten Materialien, Werkzeugen, Hilfsmitteln und Bildvorlagen ermöglichen es den Betreuenden zudem, Kunstworkshops für Menschen mit Demenz an jedem Ort durchzuführen, egal ob Pflegeeinrichtung, Kunstmuseum oder das eigene Zuhause.

Hinweise zu möglichen Gesprächseinstiegen und begleitende bzw. vertiefende Materialien, hilfreiche Checklisten zu Museumsbesuchen sowie praktische Tipps zu geeigneten Malutensilien und Werkzeugen unterstützen auf dem Weg zu einer guten und gelingenden Zusammenarbeit.

„Menschen mit Demenz leben im Hier und Jetzt und außerdem auch noch woanders“, heißt es an einer Stelle des Buches und „es ist unsere Aufgabe, sie zu finden.“ Mit ihrer Publikation geben Sabina Leßmann, Wulpeka Schneider und Kathrin Stangl ein engagiertes und ambitioniertes Instrument dafür an die Hand.

Die Autorinnen:

Die drei Autorinnen organisieren unter dem Motto „Farben im Kopf“ regelmäßig Workshops für demenziell veränderte Menschen am Kunstmuseum Bonn: Dr. Sabina Leßmann als Kuratorin für den Bereich Bildung und Vermittlung, Wulpekula Schneider als Künstlerin und Kathrin Stangl als Kunstpädagogin.

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