Material & Inspiration

Zum Stand der Kunst

Kein Atelier ohne Staffelei. Sie steht sinnbildlich für den Ort der Kunstschöpfung, ist zugleich Gebrauchsgegenstand und Statussymbol. Es gibt sie in vielen unterschiedlichen Ausführungen, die alle eines gemeinsam haben: Ihre primäre Aufgabe ist es, Malgrund und Malutensilien in erhöhter Arbeitsposition zu halten. Aber wo liegen die entscheidenden Unterschiede und welche Bauart eignet sich für den jeweiligen Einsatzbereich?

Staffeleien sind fast so archetypisch für die Malerei wie der Pinsel. Bis heute bilden sie das schöpferische Zentrum einer Malwerkstadt und sind für den Arbeitsprozess ebenso wichtig wie Keilrahmen, Farbe und Pinsel. Zahllose Künstler haben in ihren Werken eine innige Bindung zu diesem Malwerkzeug zum Ausdruck gebracht. Von Francisco de Goya, Lovis Corinth und Vincent van Gogh gibt es Liebeserklärungen in Form von Selbstporträts, die den Künstler im Schaffensprozess mit seiner Staffelei abbilden. In Diego Velázquez‘ berühmtem Werk Las Meninas ist die Staffelei sogar weitaus mehr als ein gestalterisches Accessoire. Ihre Position im Bild ist blickführend und bedeutungsstiftend: Sie bildet eine Trennlinie zwischen Betrachtetem und Betrachtendem Die Tatsache, dass die auf ihr positionierte Leinwand nur von hinten zu sehen ist, hat dazu beigetragen, dass Las Meninas zu einem der meistdiskutierten Gemälde der Kunstgeschichte wurde. Was mag der Maler, der sich in seinem Werk im Kreise der Familie von König Philip IV selbst porträtierte, hier abbilden? Und wen schaut er dabei an? Bildet die Staffelei eine Grenze zwischen „innen“ und „außen“?

Staffelei Ina Riepe

Foto: Ina Riepe

Deutlich älter als die Darstellung von Staffeleien in der bildenden Kunst ist die Wortherkunft, die sich vom mittelhochdeutschen stapfel oder staffel ableitet, was so viel bedeutet wie Stufe oder erhöhter Tritt. Die Bezeichnung ist schon seit dem Mittelalter im gängigen Sprachgebrauch verankert, in einigen Regionen ist Staffelei bis heute auch ein Synonym für Treppe oder Leiter.

Grundsätzlich wurden Staffeleien für das Halten von Bildern erfunden. Sie bestehen aus einem Stützbereich, gegen den die Leinwand oder das fertige Gemälde gelehnt wird, einem Querholz, das es in der richtigen, dem Künstler entsprechenden Höhe hält, und einem Fußteil, auch Stativ genannt. Auf welche Weise die Staffelei den Malgrund in erhöhter Position hält und so das Arbeiten erleichtert, ist abhängig von der zugrunde liegenden Konstruktion. Grob lassen sie sich Staffeleien in drei Kategorien aufteilen: dreibeinige Staffeleien, H-Rahmen-Staffeleien (Atelierstaffeleien) und Mehrzweck-Staffeleien.

Feld-, Koffer- und Akademiestaffeleien verfügen über einen dreibeinigen Fußteil, der Standsicherheit und hohe Tragfähigkeit gewährleistet, da das Lastgewicht gleichmäßig auf die drei Stützbeine verteilt wird. Die Feldstaffelei ist, wie der Name schon sagt, für das Arbeiten im Feld, also unterwegs, besonders gut geeignet. Sie ist leicht, schmal und zeichnet sich dadurch aus, dass sie einfach auf- und abzubauen ist. Meist wird das Stativ zusammengeschoben, sodass sich die Länge der Beine verringert, und die drei Hauptelemente zu einem schmalen Paket zusammengefasst, das mit Häkchen, Schnüren oder anderen Verschlüssen für den Transport gesichert wird. Meist sind Feldstaffeleien so ausgelegt, dass sie Leinwände mit einer Kantenlänge von bis zu einem Meter aufnehmen können. Die Beine sollten sich einzeln einstellen lassen, damit die Staffelei auch auf unebenem Untergrund einigermaßen stabilen Stand hat. Für die Arbeit mit Aquarellfarben oder anderen wässrigen Techniken ist es außerdem entscheidend, dass sich die Bildauflagefläche waagerecht einstellen lässt, um ein Verlaufen der Farben zu verhindern. Auch die Kofferstaffelei ist ideal für den mobilen Einsatz. Sie verfügt zusätzlich über eine Kofferschale, die sie beim Transport schützt und beim Arbeiten Ablagefläche für Pinsel, Farben und Palette bietet. Da sie wie ein Koffer mit Tragegriffen oder Schulterriemen ausgestattet ist, lässt sie sich besonders gut transportieren, hat aber meist auch ein etwas höheres Gewicht als eine Feldstaffelei.

Akademiestaffelei 140

Akademiestaffelei

Wird großformatiger gearbeitet, ist die Akademiestaffelei  klarer Sieger in Sachen Standfestigkeit. Dreibeinig wie die Feld- und Kofferstaffelei, jedoch mit einem kräftigeren Gestell versehen, ist sie in der Lage, das Gewicht großer Leinwände auf sich zu nehmen. Weil der Tisch bei dieser Konstruktion tiefer angesetzt wird, bietet die Akademiestaffelei dem Bild eine größere Auflagefläche und stützt es zusätzlich.

Atelierstaffelei

Atelierstaffelei

Atelierstaffeleien, deren Fußgestell in Form eines „H“-Rahmens konstruiert ist, verfügen über herausragende Stabilität und sind als Standstaffeleien für den professionellen, dauerhaften Einsatz  gedacht. Durch die parallel und vertikal verlaufenden Hauptbalken, die mit Querverstrebungen verbunden werden, hält eine Atelierstaffelei selbst große und sehr große Formate von bis zu 2 x 2 m und einem Gewicht von 90 kg problemlos. Die vier Beine beugen einem Umfallen selbst bei starker Beanspruchung vor. Für ein bequemes Arrangieren im Atelier gibt es diese Ausführung auch mit Rollen. Drei Vertikalstreben halten die Leinwand an vier Eckpunkten, zusätzlich lässt sich diese mit einem Feststeller fixieren, so ist ein Verschieben auch bei kräftigem Arbeiten mit erhöhtem Pinseldruck ausgeschlossen. Atelierstaffeleien lassen sich außerdem hervorragend zur Ausstellung großformatiger Werke nutzen.

Tischstaffelei

Tischstaffelei

Über die Bauweise hinaus werden Staffeleien auch anhand anderer Kriterien klassifiziert und kategorisiert, etwa hinsichtlich ihrer Funktion. Kleinere Tischstaffeleien lassen sich beispielsweise zur Präsentation kleinerer Werke, Fotos oder besonderer Ausstellungsobjekte verwenden. Da sie auf einen Tisch oder eine andere geeignete Fläche gestellt werden, haben sie sehr kurze Beine und sind üblicherweise nur für Leinwände mit einer Kantenlänge von bis zu 50 cm oder auch für Malpappen ausgelegt. Natürlich gibt es auch Ausführungen, die sich weder den dreibeinigen noch den H-Staffeleien zuordnen lassen, sondern unterschiedliche Vorteile der vorgestellten Arten vereinen, beispielsweise  leichter zu transportierende H-Staffeleien oder dreibeinige Stative, die jedoch einen stabileren Stand und Rahmen besitzen.

Staffelei Ina Riepe 02

Foto: Ina Riepe

Welche Staffelei die richtige ist, entscheidet sich vornehmlich anhand der Nutzung bzw. des geplanten Verwendungszweckes: Für den Dauergebrauch oder die Ausstellung großer Werke eignen sich schwere, stabile Staffeleien, insbesondere Atelierstaffeleien mit festem, sicherem Stand. Für die Arbeit unterwegs sind Feld- oder Kofferstaffeleien zu empfehlen, da sie durch geringeres Gewicht, leichtes Auf- und Abbauen und eventuellen Stauraum für Malutensilien überzeugen. Außerdem gilt es zu beachten, dass Staffeleien über unterschiedliche Einstellwinkel und Verstellmöglichkeiten verfügen, sowohl für die Höhe des Tisches als auch für die Schrägstellung des Bildes. Die Höhe wird meist mit  Bolzen fixiert. Wichtige Qualitätskriterien sind neben dem Material (vorzugsweise stabiles Buchenholz) und der sonstigen Verarbeitung die Beschaffenheit des Verstellmechanismus sowie eine konstante und dauerhafte Einstellung der Schräge.

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Aus massivem Buchenholz, mit Leinöl getränkt. Unser Klassiker unter den Staffeleien! Bei der sehr soliden, von Schreinerhand hergestellten Akademiestaffelei, liegt der Malgrund auf allen drei Leisten plan auf (Außenstege und Mittelleiste), sodass immer eine stabile Auflagefläche gewährleistet ist. Die Staffelei hat einen Tisch mit Doppelablage, der durch Schieben über ein Raster höhenverstellbar ist. Verschiedene Schrägstellungen durch Schraubvorrichtung fixierbar, zu­sammen­klappbar.

Bildhöhe max.: 120 cm Höhe voll ausgefahren: 245 cm Höhe voll eingefahren: 158 cm Tischmaße: 56,5 x 8 cm Gewicht: ca. 11 kg

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Stabile, zusammenklappbare Atelierstaffelei aus massivem Buchenholz, mit Leinöl getränkt. Die Querverstrebungen sind 3,5 x 5 cm stark, der Tisch mit Doppelablage lässt sich durch Schieben über ein Raster in der Höhe verstellen. Schnelle Senkrecht- bzw. Schrägstellung durch Drehknopf und Gelenke. Auf- und Abbau innerhalb von 10 Sekunden. Die Akademiestaffelei 142 wird seit über 30 Jahren nahezu unverändert von Schreinerhand in Bayern gefertigt − entwickelt und konzipiert wurde sie auf der Grundlage ganz konkreter Künstleranforderungen. Für die Fertigung verwenden wir natürlich nur geprüfte Hölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Bildhöhe max.: 120 cm Höhe voll ausgefahren: 240 cm Höhe voll eingefahren: 150 cm Sockel (B x T): 59 x 52 cm Tischmaße: 56,5 x 8 cm Gewicht: ca. 15 kg

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Aus Buchenholz, mit Leinöl behandelt. Höhenverstellbare Staffelei mit Malkoffer kombiniert, platzsparend und leicht zu montieren. Praktische Schublade mit verstellbarem Metalleinsatz für Malmaterialien, inkl. Holz­palette.

Bildhöhe max.: 85 cm Maße: Beinlänge ca. 87 cm, zusammengelegt ca. 56 x 41 x 16 cm Gewicht: ca. 6 kg

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Stabile Tischstaffelei aus lackiertem Bam­bus, Höhenverstellung durch Schraub­­­befestigung.

Bildhöhe max.: 57  cm Maße (B x H): 32 x 75  cm Gewicht: ca. 1,4  kg

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