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Gemalte Illusion

Schein und Illusion sind seit der Antike feste Größen der Kunst, und seit jeher gilt die Täuschung des Betrachters als Beleg für höchste künstlerische Virtuosität. Illusionismus bzw. Trompe-l’œil beschreiben eine Darstellungsweise, die in der Fläche eine räumliche Wirkung und eine möglichst detailgetreue Nachahmung der Natur und sichtbaren Wirklichkeit anstrebt. Schon Plinius berichtete in seiner Naturgeschichte vom Wettstreit der Maler Zeuxis und Parrhasios: Zeuxis malte seine Weintrauben so naturgetreu, dass die Vögel versuchten, daran zu picken. Parrhasios jedoch übertraf seinen Kontrahenten. Er malte einen Vorhang aus Leinen, sodass Zeuxis einen Diener bat, ihn beiseitezuschieben, um das darunter liegende Bild zu bewundern …

Aufwendig gemalte Architekturformen erweiterten illusionistisch bereits die Innenräume prachtvoller Villen in Rom und Pompeji, und in späteren Zeiten wurden diese Maltechniken stetig perfektioniert und um neue Ausdrucksmittel erweitert. So soll der Maler Giotto, so die Künstlerlegende, eine Fliege auf der Nase eines Heiligen so perfekt gemalt haben, dass sein Lehrherr Cimabue versucht habe, sie zu verscheuchen. Einen Höhepunkt fand die illusionistische Tafelmalerei insbesondere im niederländischen 17. Jahrhundert, beflügelt durch neue Techniken und weiterführende Kenntnisse in Optik und Naturwissenschaften. In ihrem Realismus nahezu greifbare Blumen- und Früchtestillleben waren beliebte Motive, und die einer Pinnwand ähnlichen sogenannten Steckbretter (Quodlibet) mit allerlei in loser Ordnung gemalten Gegenständen und Papieren, die nur scheinbar von Bändern auf dem Untergrund gehalten werden, waren ein gleichermaßen bevorzugtes Sujet.

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Foto: Ina Riepe

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Foto: Ina Riepe

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Foto: Ina Riepe

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Foto: Ina Riepe

Geknickt, mit Eselsohren und gefaltet auf den Untergrund gepinnt, standen in diesem modernen Beispiel der Illusionsmalerei aus der Reihe „Ten ways to create a picture“ verschiedene Papiere Modell: Ausgeführt in Öl auf dem feinen, grundierten Reinleinengewebe „Madrid“ werden durchgefärbte Bögen ebenso wie einseitig farbige Papiere mit weißer Rückseite zum Hauptdarsteller des großen Formats.

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Foto: Ina Riepe

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