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Same … but different

Porträts in verschiedenen Techniken gehen in ihrer Gegenüberstellung zentralen Fragen auf den Grund: Wie ist die Bildwirkung – transportiert das Porträt in unterschiedlicher Ausführung andere Botschaften? Lenken die gewählten Mittel die Rezeption, und wie entwickelt sich mehr Eigenständigkeit des Werks? Natürlich sind hier nicht nur Mal- oder Zeichenmaterialien von Bedeutung, sondern auch der Malgrund und das gewählte Format.

Die Porträtmalerei gilt als eine der Königsdisziplinen und gleichzeitig zentrales Thema der Malerei: Nicht nur das Erscheinungsbild des Modells, sondern auch sein besonderer Ausdruck als Spiegel des Inneren, sein Charakter und seine Lebendigkeit sollen auf Leinwand oder Papier gebannt werden. Dabei ist Empathie gefragt und ein gutes Gefühl für Proportionen und ein künstlerischer Blick auf Details sind ebenso entscheidend. Eine besondere Rolle spielen auch die Wahl der künstlerischen Technik und dementsprechend der verwendeten Mittel für die Wirkung des Porträts und seine Aussage.

Solche Faktoren sind an den Porträts von David Hockney eindrücklich nachzuvollziehen: Das erste, sehr modern anmutende Porträt ist vollständig mit gebrauchsfertigen Tuschepinseln ausgeführt, die in einer vollständigen Palette zur Verfügung stehen – darunter kräftige Neontöne, die sich für einen Pop-Art-Künstler gleichsam anbieten. Die wasserlöslichen Farben können für einen diffuseren Farbauftrag verdünnt werden: Der Bereich der Schildmütze wurde vorgenässt, sodass der Farbauftrag verläuft und fast aquarellartigen Charakter bekommt. Dank der kurzen Trocknungszeit kann im Anschluss das Karomuster mit unverdünntem Strich aufgetragen werden. Im Vergleich ganz anders die Bildwirkung bei den nachfolgenden Porträts: Das mittlere Porträt ist vollständig in Gouache ausgeführt, während das rechte auf einem mit Tuschepinsel angelegten grünen Hintergrund in Fineliner angelegt ist.

Ina Riepe - Same but different - 04
Porträt von David Hockney, vollständig mit gebrauchsfertigen Tuschepinseln ausgeführt © Ina Riepe
Porträt von David Hockney, vollständig mit gebrauchsfertigen Tuschepinseln ausgeführt © Ina Riepe

Soll ein Porträt möglichst naturgetreu sein oder Spielräume für Interpretationen lassen? Wird eine eher zeitgenössische Wirkung bevorzugt oder mag man es eher klassisch? Die Porträts von Amedeo Modigliani zeigen die Möglichkeiten von Porträts in verschiedenen Techniken: Das erste Porträt ist mit Schablonen gesprayt – durch diese beabsichtigte Vereinfachung setzt es auf plakative Wirkung, die in ihrer Reduktion modern und kühl erscheint. Wärmer und lebensnaher wird es daneben: Für das Tusche-Porträt wurde eine Kunststofffolie ockerfarben grundiert, daneben wurde in Ölfarbe auf Kunststofffolie gemalt.

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Porträt von Amedeo Modigliani, mit Schablonen gesprayt © Ina Riepe
Porträt von Amedeo Modigliani, mit Schablonen gesprayt © Ina Riepe

Die beiden Porträts des Musikers sind links in Tusche, rechts in Kohle auf Moulin- Papieren gezeichnet. Und wer mag, kann natürlich auch zu etwas unorthodoxeren Mitteln greifen: Die beiden Thomas-Mann-Porträts, beide auf Folie, sind in schwarzem Kajal beziehungsweise rotem Lippenstift ausgeführt – verblüffende Wirkung garantiert!

Ina Riepe - Same but different - 05
Porträts des Musikers, links in Tusche, rechts in Kohle auf Moulin-Papieren gezeichnet © Ina Riepe
Porträts des Musikers, links in Tusche, rechts in Kohle auf Moulin-Papieren gezeichnet © Ina Riepe

Die beiden großformatig abgebildeten Porträts zeigen den bedeutenden österreichischen Schriftsteller Thomas Bernhard, dessen Werk ebenso umstritten wie skandalträchtig war und in seiner Heimat für Schlagzeilen und heftige Kritik sorgte. Zunächst ist der Autor in klassisch-ruhiger Denkerpose in feiner Federzeichnung mit Tusche auf Papier gegeben. Die farbstarke, expressive Darstellung rechts hingegen lässt Abgründe, Stimmungen und Provokationen erahnen und wurde mit großen Sennelier-Ölpastellen auf Folie ausgeführt. Vor allem der lockere, schnelle Duktus in seiner starken Abstraktion und auch Farbigkeit und Format bestimmen hier die Gesamtwirkung in klarem Kontrast zur zeitlosen Zeichnung.

Ina Riepe - Same but different - 01
Porträt Thomas Bernhard, Federzeichnung mit Tusche auf Papier © Ina Riepe
Porträt Thomas Bernhard, Federzeichnung mit Tusche auf Papier © Ina Riepe
Ina Riepe - Same but different - 17

Männerporträts mit Hut, linke Porträt wurde mit Ölfarbe ausgeführt, das rechte mit wasservermalbarer Ölfarbe
© Ina Riepe

Recht traditionell wiederum geht es bei den beiden Männerporträts mit Hut zu: Das linke Porträt wurde mit Ölfarbe ausgeführt, das rechte mit wasservermalbarer Ölfarbe.

Härte und Verletzlichkeit gleichzeitig spiegeln sich in diesem Dreifach-Porträt durch kalkulierten Einsatz der künstlerischen Mittel. Links kam ein Brush Pen auf Urban Art Gewebe zum Einsatz. Der aquarellierbare Fasermaler mit zwei Spitzen erlaubt mit der Feinspitze eine exakte Linien-führung und mit der Pinselspitze auch unter-schiedliche Strichstärken. Die Farben auf Wasserbasis sind ungiftig, geruchlos und problemlos mischbar; für feine Farbverläufe können die Spitzen direkt ins Wasser getaucht werden.

Ina Riepe - Same but different - 09

links: Urban Art Gewebe schwarz grundiert, Ölpastell in Gelbgrün, Mitte: Brush Pen auf Urban Art Gewebe, rechts: Reiskohle-Zeichnung
© Ina Riepe

Für die minimalistische, eher flächen- und umrissbetonte Zeichnung ist Reißkohle das Medium der Wahl, deren Schwarzgrad höher ist als bei herkömmlicher Zeichenkohle. Reißkohle besteht aus Holzkohle, Ton und Bindemitteln, ist in unterschiedlichen Härtegraden erhältlich und setzt mit entschiedenem Strich auch harte Kanten aufs Papier. Für das Porträt rechts wurde Urban Art Gewebe schwarz grundiert. Ölpastell in Gelbgrün und Blau war das Mittel der Wahl für die Darstellung mit minimalen weißen Höhungen.

Ina Riepe - Same but different - 06

Urban Art Gewebe schwarz grundiert, Ölpastell in Gelbgrün
© Ina Riepe

Diese Reihe beleuchtet eindrücklich, wie weit sich das Porträt von rein formalen Attributen und äußeren Charakteristika zu lösen vermag, um in der Wahl der Mittel zu besonderer Eigenständigkeit und Aussage zu finden.

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