„Die Landschaft ist bei Weitem die lieblichste Abteilung der Malerei wie der Poesie“, sagte John Constable (1776–1837): Seit sich die Landschaftsmalerei von ihrem Dasein als Bildhintergrund emanzipiert hatte, setzte sie als eigen – ständiges Sujet in Werken von z.B. Claude Lorrain oder Nicolas Poussin eine bedeutende Zäsur. Spätestens mit William Turner und John Constable wurde die Natur selbst zum wichtigsten Protagonisten der Landschaftsmalerei – mit Atmosphäre, Licht und Farbe als bestimmenden Komponenten. Heute zeigt sich Landschaftsmalerei gegenständlich oder abstrakt als weites Feld der Interpretation, das sich längst vom Genre gelöst hat. Eine „durchwachsene“ Wettersituation ist für Landschaftsmaler*innen eher ein Glücksfall als strahlendblauer Himmel mit gleißendem Sonnenschein, denn es ist vor allem das Licht, das Anforderungen schafft: Licht heißt Modulation und Tiefe, Schatten und Koloration. Licht erzeugt Farbe in einer Fülle an möglichen Ausmischungen – und die Wahl des Materials ist dazu ein wichtiger Faktor. Der Ölfarbe kommt in der Landschaftsmalerei besondere Bedeutung zu, aber auch die Gouache zeigt ihre ganz eigenen Vorzüge.
Eine selbst angefertigte Gouache entzieht sich im Arbeitsprozess weitgehend der genauen Kontrolle. Sie wird in der Regel eher flüssig angesetzt, durch ihren hohen Wasser- und Leimgehalt nass auf die Leinwand aufgetragen und erscheint dabei nicht nur viel dunkler als im trockenen Zustand, sondern auch weniger farbstark. Dadurch wird sie gewissermaßen „im Dunklen“ gemalt – allein aus dem Farbgedächtnis heraus, wenn die Einzelfarben im Vorfeld auf gleicher Leinwand getestet worden sind. In einem solchen Probelauf trocknen einzelne Partien vielleicht schon während des Malprozesses auf, andere zeigen ihr endgültiges Bild erst Stunden später. Grund dafür sind einerseits die genässten Pigmente, zum anderen ist es die Kreide in der Gouache, die Zeit braucht, um durchzutrocknen. Ihr Weißanteil trägt sowohl zu einer Homogenisierung der Farbe als auch zu ihrer Aufhellung bei. Die Wirkung von Gouachemalerei ist im Zusammenspiel aller Faktoren eher subtil, weniger scharf konturiert und weicher in der Aussage.
Die erste, lockere Kreideskizze der Gouache wurde vergleichsweise flüchtig mit den ersten Farben angelegt, während bei den folgenden Bildern Prozesse der Zwischentrocknung sichtbar werden.
Wenn es um die Strahlkraft der Farbe und ihre Modulation, die Weichheit der Übergänge und die Tiefenwirkung geht, ist Ölfarbe das Farbmaterial der Wahl: Lange Trocknungszeiten, ölige Malmittel und die letztlich grenzenlose Mischbarkeit der Farbe eröffnen unendliche Möglichkeiten. Eine Acrylfarbe hingegen zeigt sich expressiver, und ihr schneller Trocknungsprozess spielt während der Arbeit eine eigenständige Rolle.
In diesen Beispielen in Öl links ist zu sehen, wie die Farben der Wolke grob in Rosa, Grün und Gelb auf der Leinwand angelegt werden, bevor die Wolkenformation ihre endgültige Form findet. Das vollendete Werk unten lässt diese einzelnen Schritte, Schichtungen und Modulierungen nur mehr erahnen.
Die nachfolgende Strandszene wurde in ähnlicher Weise aufgebaut.
Suggestive Licht- und Wolkenformationen bestimmen diese Landschaften in Öl. Nachdem Baum und Bodenstreifen zunächst flächig angelegt wurden, kommt die Dramatik mit den dunklen Farbtönen der Wolkenformationen ins Bild, die zunächst dunkelgrün-grau unterlegt wurden und schließlich mit den anderen Farben – von Gelb über Zartviolett und Graublau bis hin zu dunklen Tönen – verschmelzen.
Nach dem Gewitter kommt der Himmel wieder zum Vorschein: Die Anlage des Ölbildes war ursprünglich weniger expressiv geplant, doch die Farbwelten waren seit Beginn des Prozesses angelegt.