Charmant, zugewandt und überhaupt nicht nachtragend: Hunde gelten mit ihrer bedingungslosen Zuneigung und schwanzwedelnden Kommunikation nicht ohne Grund als die besten Freunde des Menschen. Kaum ein anderes Lebewesen kann eine so innige Beziehung zu „seinem“ Menschen entwickeln wie ein Hund (wenn man ihn lässt) – als Gefährte, ständiger Begleiter und als geliebtes Mitglied der Familie. Als aufmerksamer Wächter, Symbol von Treue und Beständigkeit und später als eigenständiges Individuum durchzieht die Darstellung von Hunden die Malereigeschichte, doch immer erzählt das Tier auch etwas über den Menschen an seiner Seite.

David Hockney etwa porträtiert gern seine geliebten Dackel Stanley und Boogie: Der britische Maler feiert sie in Malerei und Zeichnung – dösend im Körbchen, mit dem Schalk im Nacken oder bettelnder Miene. Dem sprichwörtlichen Hundeblick übrigens mag kaum jemand widerstehen (er beruht laut neuerer Forschungen auf einer evolutionär bedingten Stärkung des Augenbrauenmuskels). Hunde bringen mit Charakter, unfreiwilliger Situationskomik und unwiderstehlicher Mimik, mit ihrer guten Laune und ausdrucksvollen Haltung vieles mit, was ein vorzügliches Porträtmodell ausmacht. Nur: Das Stillsitzen fällt natürlich schwer …

Bild aus der Ina Riepe-Reihe

© Ina Riepe

Als künstlerische Königsdisziplin fordert das Porträt Malerei und Zeichnung gleichermaßen heraus: Im Idealfall werden nicht allein die äußere Erscheinung und physiognomische Merkmale auf Leinwand oder Papier festgehalten, sondern auch Lebendigkeit und Wesenszüge des Modells. Das Porträt bekundet Respekt und versucht gleichzeitig, durch Neugier und Interesse kleinere (und größere) Geheimnisse zu erkunden – auch wenn die Kommunikation zwischen Dalmatiner und Dackel oben auf dem Bild vermutlich nie ganz entschlüsselt werden kann.

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Als Ganzfigur oder im Brustbild, im Profil oder en face – auch die Wahl der künstlerischen Mittel entscheidet über Aussage und Wirkung. Die drei Darstellungen oben erinnern fast an eine Reihe von Gesellschaftsporträts: Die Eleganz des weißen Labradors mit skeptischem Blick auf blauem Grund links ist in Acryl ausgeführt; der etwas eitel anmutende, auf jeden Fall aber vornehm‑zurückhaltende Hund daneben ist in Öl auf Leinwand gemalt – Farbgebung, Grundierung und Duktus unterstreichen seine schmale Statur und Haltung perfekt. Die Geschmeidigkeit des Windhunds daneben kommt in Gouache auf Papier besonders zur Geltung. Etwas missmutig hingegen zeigt sich oben die französische Bulldogge, deren schwere Züge im Spiel von Höhungen und Tiefen in Tusche auf Papier erfasst sind.

Bild aus der Ina Riepe-Reihe

© Ina Riepe

„Hunde sind unsere Verbindung zum Paradies. Sie kennen weder Sünde noch Eifersucht noch Unzufriedenheit. An einem herrlichen Nachmittag mit einem Hund auf einem Hügel zu sitzen heißt zurück zu sein im Garten Eden, als Nichtstun nicht Langeweile bedeutete, sondern Frieden.“ Milan Kundera

Wer einen Hund länger beobachtet, ist fasziniert von seiner Beweglichkeit. Wenn er aus Langeweile oder purem Übermut seinen eigenen Schwanz jagt, sich gelangweilt (oder beschämt) mit der Hinterpfote am Ohr kratzt, im Schlaf rücklings mit den Pfoten in der Luft entspannt oder hakenschlagend einer Fährte folgt, ist der Hundefreund jedes Mal aufs Neue erstaunt von seiner Agilität. Geht es dann endlich ohne Leine in den Freilauf, gibt es für die Vierbeiner meist kein Halten mehr: Fast im Galopp und in ungeahnter Geschwindigkeit werden Bälle, Stöckchen oder auch Artgenossen im Spiel verfolgt. Hier setzen die Herausforderungen zeichnerisch‑technischer Umsetzung an: die skizzenhafte Erfassung von Bewegungsabläufen, die nicht-karikaturhafte Interpretation der Mimik, die Anatomie – und nicht zuletzt das Spannungsfeld zwischen Anpassung an den Menschen und unverstellter Freude am Dasein.

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Diese Leichtigkeit des Seins wird im Porträt des aufmerksamen weißen Terriers durch duftige Aquarellfarbe auf Papier noch verstärkt. Die Bewegungsstudien wurden in Gouache auf Papier ausgeführt.

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Oft zum deutlichen Unbehagen ihrer Besitzer pfeifen Hunde gern auf Konventionen: Wenn es um dringende Geschäfte geht, ein ausgiebiges Bad in der Pfütze oder lieber noch in einem Schlammloch, beim Buddeln am Strand, auf einer gepflegten Wiese und weit entfernt im Wald – verklebt-nasses Fell, schmutzige Schnauzen und verdreckte Pfoten gibt es zum Hundeglück inklusive. Von den scheinbar verstopften Ohren, durch die keine Rufe zu dringen scheinen, ganz zu schweigen … Doch ein ausgelasteter Hund ist meist ein glücklicher Hund – und müde noch dazu.

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