Ausstellung

Die Essenz einer künstlerischen Zusammenarbeit

„KONSORTIUM: TRIUMVIRAT“ im Märkischen Museum Witten

Im Märkischen Museum Witten hat das Künstlerkollektiv KONSORTIUM in den sechs Wechselausstellungsräumen eine Rauminstallation geschaffen, die eine Auseinandersetzung mit der eigenen künstlerischen Arbeit und dem Erbe der Moderne und Postmoderne ist.

KONSORTIUM (v.l.n.r.) Lars Breuer, Sebastian Freytag und Guido Münch
Foto: Konsortium

Seit 2004 arbeiten die drei Künstler Lars Breuer (geb. 1974, lebt in Köln), Sebastian Freytag (geb. 1978, lebt in Köln) und Guido Münch (geb. 1966, lebt in Düsseldorf) als Künstlergruppe, als Ausstellungsraumbetreiber und als kuratorisches Kollektiv KONSORTIUM zusammen. Alles begann mit einem Ausstellungsraum in Düsseldorf, in den sie Künstlerinnen und Künstler einluden, Ausstellungen, Installationen und Interventionen durchzuführen. Neben der eigenen künstlerischen Tätigkeit traten nun auch Fragen der Ausstellungskonzeption, der institutionellen Rahmenbedingungen von Museum und Galerieraum sowie der gemeinschaftlichen Entwicklung von Ideen und Projekten in den Fokus der drei Künstler. Als Künstlergruppe, in der alle Entscheidungen in kollektiver Diskussion getroffen werden, realisierten sie schnell auch zusammen Ausstellungen, Interventionen und Kunst im öffentlichen Raum. Inzwischen entstand eine beachtliche Anzahl von KONSORTIUM-Projekten, die teilweise – wie in der Tiefgarage unter der Kunsthalle Düsseldorf (POLEPOSITION, 2007) oder im Museum Folkwang Essen (UNDERGROUND und OVERGROUND, 2010) – als Dauerinstallationen noch zu sehen sind. All diese Projekte besitzen eine klare und geometrische Formensprache und führen eine intensive Auseinandersetzung mit der Ästhetik der Moderne und Postmoderne sowie mit der Kunst- und Architekturgeschichte.

Mit der Ausstellung „TRIUMVIRAT“ demonstrieren die Künstler die Essenz ihrer bisherigen Zusammenarbeit. In den sechs Wechselausstellungsräumen des Märkischen Museums Witten sind zum einen die unterschiedlichen individuellen Künstlerpersönlichkeiten repräsentiert, zum anderen wirkt die gesamte Ausstellung als Gemeinschaftsarbeit, in der jedes noch so kleine Detail kooperativ entschieden wurde und keine individuelle künstlerische Handschrift erkennbar ist. So ist auch der Ausstellungstitel nicht zufällig gewählt: In der römischen Antike bezeichnete der Begriff „Triumvirat“ einen Bund dreier Personen, die ein gemeinsames Interesse verfolgten und ihn hauptsächlich zur Durchsetzung politischer Interessen einsetzten. Die Namensgebung erweist sich als eines von vielen Referenzsystemen, auf die sich KONSORTIUM auf vielschichtige Weise bezieht und die die autonome künstlerische Tätigkeit um (kunst-)geschichtliche Bezüge ergänzen. So lässt sich beispielweise die Zahl Drei als Bezugselement in verschiedener Form in der Ausstellung wiederfinden.

Schon vorangegangene Künstlergruppen und -kollektive wie beispielsweise die Gruppe „B 1“, die sich 1969 zur künstlerischen Umgestaltung der Bundesstraße 1 im Ruhrgebiet zusammenfand und der parallel eine Ausstellung im Märkischen Museum Witten gewidmet ist („B1 – Konstrukteure künstlersicher Form“, bis 22. September 2019), warfen wie auch jetzt KONSORTIUM immer wieder einen sinnstiftenden Blick auf das kollektive künstlerische Arbeiten und auf die Wirksamkeit von künstlerischen Werken im öffentlichen Raum. Während „B 1“ in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren dem modernistischen Fortschrittsglauben und einer demokratischen Gestaltung der eigenen Umwelt folgend Werke für den öffentlichen Raum entwickelte, reflektieren die öffentlichen Werke der Künstlergruppe KONSORTIUM und deren einzelne Mitglieder eine Zeit, in der das Erbe der Nachkriegsmoderne baufällig geworden, der Glaube an den technischen Fortschritt ins Wanken geraten ist und der öffentliche Raum zunehmend einer neoliberalen Ökonomie unterworfen wird.

Ausstellungsansicht „KONSORTIUM: TRIUMVIRAT“, Märkisches Museum Witten 2019, Foto: Ben Hermanni

Ausstellungsansicht „KONSORTIUM: TRIUMVIRAT“, Märkisches Museum Witten 2019
Foto: Ben Hermanni

Ausstellungsansicht „KONSORTIUM: TRIUMVIRAT“, Märkisches Museum Witten 2019
Foto: Ben Hermanni

Ausstellungsansicht „KONSORTIUM: TRIUMVIRAT“, Märkisches Museum Witten 2019
Foto: Ben Hermanni

Ausstellungsansicht „KONSORTIUM: TRIUMVIRAT“, Märkisches Museum Witten 2019
Foto: Ben Hermanni

Ausstellungsansicht „KONSORTIUM: TRIUMVIRAT“, Märkisches Museum Witten 2019
Foto: Ben Hermanni

Ausstellungsansicht „KONSORTIUM: TRIUMVIRAT“, Märkisches Museum Witten 2019
Foto: Ben Hermanni

Ausstellungsansicht „KONSORTIUM: TRIUMVIRAT“, Märkisches Museum Witten 2019
Foto: Ben Hermanni

Ausstellungsansicht „KONSORTIUM: TRIUMVIRAT“, Märkisches Museum Witten 2019
Foto: Ben Hermanni

Die Wandmalereien und installativen Elemente der Ausstellung sind Referenzen zum eigenen künstlerischen Schaffen sowie zur Architekturgeschichte. In drei Räumen, die jeweils eine geometrische Grundform (Ring, Dreieck und Viereck) in Weiß auf schwarzem Grund als Wandmalerei zeigen und die in drei Farben – der Grundfarbe Blau, der Nichtfarbe Kupfer und der Mischfarbe Hellgrün gestrichen sind – stellen Verweise auf die drei Künstlerindividuen dar und spielen auf wiederkehrende Formen in ihrem Schaffen an. Im ersten Raum begegnet der Betrachter einem skulpturalen Element auf einem Sockel, das Bezug nimmt auf die städtebauliche Vision von Le Corbusier „Plan Voisin“ von 1925 zur Neugestaltung von Paris. Die Kreuzformen sind den Grundrissen der Hochhausentwürfe des Architekten entnommen. Im schräg gegenüberliegenden Raum kann man auf einer Museumsbank vor einer Wandarbeit Platz nehmen, die sich ebenfalls auf architektonische Grundrisse bezieht. Hier sind drei Pläne von idealtypischen Architekturen unterschiedlicher Epochen übereinandergelegt: LeCorbusier „Plan Voisin“ von 1925, Andrea Palladios „Villa Badoer“ von 1556 und das US- Verteidigungsministerium „Pentagon“ in Washington, das 1941–43 vom Architekten George Bergstrom gebaut wurde. Neben den unterschiedlichen Funktionen und städtebaulichen Bezugspunkten kann der Betrachter hier seinen Assoziationen freien Lauf lassen. Die drei in den Tischvitrinen ausgestellten Materialien Basaltgestein, Edelstahl und Plexiglas nehmen ebenfalls wieder Bezug auf moderne und postmodernistische Architekturgestaltung. Mit Sockel, Museumsbank und Vitrine wird ebenfalls eine Versinnbildlichung der Präsentations- und Repräsentationsformen im musealen Kontext angestrebt.

Die Ausstellung „Triumvirat“ ist keine Ansammlung von heterogenen Einzelwerken, sondern bildet eine Gesamtinstallation mit Wandmalerei und autonomen Gemälden. Der Betrachter kann die Ausstellung als EINE Installation erfahren, die sich über alle sechs Wechselausstellungsräume des Museums erstreckt. Querbezüge zwischen den Räumen, zwischen Formen, gewählten Farben und Materialien verbinden die einzelnen Elemente miteinander und können als persönliches Statement der drei Künstler zum ästhetischen Erbe der Moderne und Postmoderne angesehen werden.

Auf einen Blick

Ausstellung: KONSORTIUM: TRIUMVIRAT

Ort: Märkisches Museum Witten, Husemannstraße 12, 58452 Witten

Dauer: bis 26. Mai 2019

Internet: https://www.kulturforum-witten.de/maerkischesmuseumwitten/

 

Öffnungszeiten: Mittwoch, Freitag bis Sonntag 12.00 bis 18.00 Uhr,

Donnerstag 12.00 bis 20.00 Uhr, montags, dienstags, an Feiertagen geschlossen.

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Profile

Das Märkische Museum Witten verfügt über eine Sammlung mit rund 5.000 Werken deutscher Malerei und Grafik des 20. Jahrhunderts. Einen Schwerpunkt bildet das deutsche Informel. Die wichtigsten Protagonisten, wie zum Beispiel K.O. Götz, Peter Brüning, Winfred Gaul, Gerhard Hoehme, Emil Schumacher, Fred Thieler und viele andere, sind in der Sammlung vertreten. Das Museum spiegelt die Entwicklungen der Abstraktion in der Kunst in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wider. Ein ausgesuchter Bestand an Werken der Expressionisten bildet den Grundstock der Sammlung. Neben den wechselnden Sammlungspräsentationen stellen die Ausstellungen zeitgenössischer Kunst einen weiteren Schwerpunkt des Hauses dar. Hierbei werden aktuelle Entwicklungen der deutschen und internationalen Gegenwartskunst vorgestellt.

[Foto: Jörg Fruck]

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