Ausstellung

„Hinter dem Vorhang“ im Museum Kunstpalast

Am Anfang stand ein Wettstreit um Virtuosität: Wie Plinius berichtet, wollten die Maler Zeuxis und Parrhasios einander in der künstlerischen Augentäuschung übertreffen. Konnte Zeuxis allerdings nur die Vögel täuschen, die an seinen gemalten Trauben picken wollten, gelang Parrhasios die Irreführung des Konkurrenten: Zeuxis wollte dessen gemalten Vorhang beiseiteschieben, um das vermeintlich dahinterstehende Bild betrachten zu können …

Ausgehend von der Gründungslegende der mimetischen Malerei steht das faszinierende Wechselspiel zwischen Verbergen und Zeigen, Verhüllen und Enthüllen im Fokus der Ausstellung „Hinter dem Vorhang. Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance“, die bis zum 22. Januar 2017 im Museum Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen ist.

Die von Beat Wismer, Generaldirektor Museum Kunstpalast, gemeinsam mit Claudia Blümle, Professorin am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, kuratierte Ausstellung verdeutlicht in verschiedenen Themenbereichen die Ambivalenz und den Reiz von Verstecken und Sichtbarmachen sowie das sinnliche Verhältnis von bildender Kunst und Wahrnehmung. Der Reigen der Schau beginnt als Prolog mit dem antiken Maler-Wettstreit und ist nach epochen- und gattungsübergreifenden Kapiteln aufgeteilt: Diese widmen sich Aspekten wie „Mysterium des Göttlichen“, „Macht der Repräsentation“, „Gewalt der Enthüllung“, „Reiz des Verborgenen“, „Innen und Außen“. Dazu präsentiert die Ausstellung Kunstwerke aus sechs Jahrhunderten. Mit Leihgaben aus internationalen Museen und Privatsammlungen – Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Fotografien – spannt sich der Bogen von der Renaissance bis hin zur zeitgenössischen Kunst: Neben Tizians im Jahr 1558 gemalten „Porträt des Kardinals Filippo Archinto“ aus dem Philadelphia Museum of Art präsentiert die Ausstellung u. a. Werke von Francis Bacon, Max Beckmann, Arnold Böcklin, Christo, Eugène Delacroix, Lucan Freud, El Greco, Jean-Étienne Liotard, René Magritte, Neo Rach, Rembrandt, Gerhard Richter, Cindy Sherman und Jacopo Tintoretto. Von William Turner stammt das mit den Maßen 14,2 x 19 cm kleinste Bild der Schau: Es handelt sich um das 1827 entstandene Aquarell „A Bedroom with a Fire Burning, and a Bed with Yellow Curtains“. Die Installation „Vorhang (rosa)“ von Maria Eichhorn dagegen ist mit 400 x 900 cm eines der größten Werke.

„Unser Ausstellungsprojekt verstehen wir auch als Bild-Essay zu Grundfragen der Malerei und der Kunst“, so der 2017 scheidende Generaldirektor Beat Wismer, „aber auch zu darüber hinaus gehenden Themen des Sehens, des Erkennens und der augenlustigen Neugier. Es war ein großer, persönlicher Wunsch, diese epochenübergreifende Ausstellung im Museum Kunstpalast zu meinem Abschiedsprojekt zu machen.“

Auf einen Blick

Ausstellung
„Hinter dem Vorhang. Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance. Von Tizian bis Christo“
Ausstellungsdauer: bis zum 22.01.2017

Museum Kunstpalast Düsseldorf
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf

Internet: www.smkp.de/vorhang/

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Profile

Das im Jahre 2001 von Oswald Matthias Ungers neugestaltete Museum Kunstpalast liegt im Zentrum von Düsseldorf, direkt am Rhein. Mit der Neueröffnung des Museum Kunstpalast im September 2001 wurden das Kunstmuseum und der Kunstpalast zusammengeschlossen und in eine Stiftung überführt. Mit hochkarätigen Ausstellungen wie Joan Miró, Dalí, Warhol, Caravaggio, Bonjour Russland, Zerbrechliche Schönheit, Diana und Actaeon und Per Kirkeby hat sich das Museum einen internationalen Ruf erarbeitet. Die im Museum Kunstpalast beheimateten Sammlungen umfassen heute mehr als 100.000 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Grafiken, Fotografien, kunstgewerbliche Exponate und Glasobjekte.

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Werden Stoffe beiseite geschoben, lenken sie die Aufmerksamkeit auf das Enthüllte und schüren die Neugier, noch Verstecktes zu entdecken. Das künstlerische Wechselspiel zwischen Verbergen und Zeigen steht im Fokus von Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen, die den Bogen von Renaissance und Barock über die Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst spannen.

Den antiken Maler-Wettstreit konnte Parrhasios für sich entscheiden, indem er einen leinenen Vorhang so täuschend echt malte, dass sein Kontrahent Zeuxis diesen für real hielt. Um die Rolle des Vorhangs in der künstlerischen Augentäuschung, in göttlichen Mysterien, Machtrepräsentationen, Enthüllung verführerischen wie brutalen Geschehens, Innen und Außen wie für die artistische Kunstfertigkeit kreisen fundierte Texte hochkarätiger Autoren sowie exquisite Meisterwerke: Neben Tizians »Porträt des Kardinals Filippo Archinto« sind Arbeiten von Holbein, El Greco, Rembrandt und Delacroix bis zu Beckmann, Christo oder Gerhard Richter u. a. versammelt.

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