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Wissenswertes über Keilrahmen

Woher kommt er, woraus besteht er, wie behält er seine Form und worauf sollte man bei der Auswahl achten?

Bei der Bezeichnung „Öl auf Leinwand“ wird er zu Unrecht nicht erwähnt: der Spannrahmen aus zusammengesetzten Holzleisten, der oft das Gerüst gemalter Kunst bildet und letztendlich alles in der uns vertrauten Form zusammen hält. Die große Zeit des Keilrahmens begann im Spätmittelalter mit dem Übergang von der Tafelmalerei der Antike zur Leinwandmalerei. Ursache dafür waren die immer größer werdenden Bildformate. Im Malerbuch vom Berge Athos findet sich eine recht derb klingende Anleitung zur Herstellung von Keilrahmen: „Nagle vier Latten zusammen und ziehe das Tuch darüber, auf welches du malen willst.“ Nur wenige, mit Leinwand bespannte Rahmenkonstruktionen aus dieser Zeit sind bis heute erhalten geblieben. Bei Rahmen aus dem 15. Jh. sind die Eckverbindungen sowie die stabilisierenden Querverbindungen verzapft und teilweise mit Nägeln gesichert. Die Leinwand wird aufgeklebt und zum Teil mit Holzstiften festgenagelt. Manche Bilder sind zusätzlich durch eine rückseitig eingelegte Holztafel stabilisiert. In Holland verwendete man zum Spannen der Leinwand eine Zeit lang Schnüre statt Nägel. Die vorderseitige Befestigung der Leinwand am Rahmen wurde später durch den Bilderrahmen überdeckt. Im 16. Jh. ist dann die heute übliche Fixierung der Leinwand an der Rahmenschmalseite, also außen, nachweisbar. Zum Teil werden die Rahmen – in der Tradition von Flügelaltären – beidseitig mit Leinwand bespannt und bemalt. Andere Beispiele zeigen, wie kleinere, auf Rahmen gespannte Leinwände zu großen Kompositionen zusammengefügt werden. Mitunter erscheint der Rahmen selbst als bildwürdiger Gegenstand. Erst um die Mitte des 18. Jh. kommen in Frankreich die ersten „modernen“ Keilrahmen bei meist kleinen Formaten in Gebrauch. Die neue Rahmenkonstruktion bei größeren Bildformaten etabliert sich aber erst im 19. Jh.

Leisten, Keile, Kreuze: die Bestandteile des modernen Keilrahmens

Heute besteht ein Keilrahmen aus vier Leisten, deren Enden mit Zapfen und Schlitzen versehen sind. Diese werden zusammengesteckt, aber nicht starr – etwa mit Leim oder Nägeln – verbunden. Die Spannung kann, am besten erst nach dem Aufziehen und Grundieren der Leinwand, durch insgesamt acht in die Eckverbindungen eingesetzte Keile erhöht, oder durch Lockern bzw. Entfernen reduziert werden. Die Außenkante der Rahmenleisten ist halbkreisförmig profiliert, um einen Abstand zwischen Leinwand und Rahmen zu schaffen und ein Durchdrücken des Rahmens beim Grundieren oder Malen zu verhindern. Um die höchstmögliche Verzugsfreiheit zu erhalten, reichen bei kleinen Formaten Leisten aus sorgfältig getrockneten, mehrfach verleimten Hölzern im Querschnitt 2 x 4,5 cm. Bei größeren Leinwänden fügt man entweder zwei identisch große Rahmenkonstruktionen dieses Querschnitts aneinander, oder man greift direkt auf stärkere Leisten bis zu 6,5 cm Materialstärke und innere Stabilisierungskonstruktionen wie das Zwischenstück, das Einfach-, Doppel- oder Viererkreuz zurück, die nur noch in die vorgefertigten Nuten eingesteckt werden müssen. Die innere Verstärkung des Rahmens leitet sich aus der alten Stabilisierungsmethode der eingelegten Holztafel ab, vermeidet aber deren offensichtlichen Gewichtsnachteil.

Keilrahmenleisten
Trocken, mehrfach verleimt, aus nachhaltigem Anbau: die richtige Holzqualität entscheidet

Holz ist ein organisches Material, das zu jedem Zeitpunkt mit seiner Umgebung interagiert und arbeitet. Starke Schwankungen der Luftfeuchtigkeit können daher zum Verzug des Keilrahmenholzes führen. Eine nachträgliche Korrektur ist in den meisten Fällen nicht möglich. Als einzige Lösung bleibt, die Leinwand abzuspannen und auf ein qualitativ besseres Holz aufzuspannen, was mit hohen Kosten verbunden und zudem technisch manchmal gar nicht möglich ist. Keilrahmenholz sollte also immer mehrfach verleimt und fachmännisch getrocknet sein, damit eine höchstmögliche Verzugsfreiheit gewährleistet ist. Im Idealfall stammt das Holz darüber hinaus aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Bei boesner haben wir die Zeichen der Zeit erkannt. Weil wir nicht nur auf die Verwendung hochwertiger Hölzer, sondern auch auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen achten, haben wir unser Keilrahmenleistensortiment schon vor mehreren Jahren vollständig auf FSC/PEFC-zertifiziertes Holz umgestellt.

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Produkt­empfehlungen

Die Classic-45-Keilrahmenleiste ist 4,5 cm breit und 1,8 cm tief. Sorgfältig verarbeitete Holzstäbe sind mehrfach miteinander verleimt. Das garantiert höchstmögliche Verzugsfreiheit, da keine großen Spannungen aufgebaut werden können. Classic 45 eignet sich für Rahmen bis zu einer Abmessung von ca. 2,5 x 3 m. Für eine größere Rahmentiefe und noch größere Stabilität können die Keilrahmen auch leicht gedoppelt werden.

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Mehrfach verleimte Keilrahmen, Tiefe 45 mm Auf vielfachen Kundenwunsch hat boesner den mehrfach verleimten Keilrahmen für höchste Ansprüche in einer Übertiefe von 45 mm (Querschnitt 45 x 45 mm) entwickelt: den Museo 45.

Die Mehrfach-Verleimung aus Fichte/Tanne garantiert eine höchstmögliche Verzugsfreiheit dieses Profi-Rahmens. Die extra hohe Außenwulst erhebt sich ca. 10 mm über die Innenkante des Rahmens. Aufgespanntes Gewebe hat so immer genügend Abstand zum Rahmen. Auch Zwischenstücke und Kreuze werden mit einem maximalen Abstand zum aufgespannten Gewebe montiert (ca. 30 mm). Einsatzbereiche: Museen, Kunstausstellungen und überall dort, wo durch eine größere Rahmentiefe mehr Plastizität von Kunstwerken erreicht werden soll. Aufhängung in der Regel ohne zusätzlichen Bilderrahmen.

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