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Mehr Tiefe für die Kunst: die Schattenfuge

„Ein Bild ohne Rahmen sieht aus wie ein nackter, geplünderter Mensch. Die Verbindung von Rahmen und Bild ist nicht zufällig, eines bedarf des anderen“, befand der spanische Philosoph und Essayist Ortega y Gasset (1883-1955) in seinen „Meditationen über den Rahmen“. Natürlich kann man darüber durchaus geteilter Meinung sein, doch gerahmte Bilder wirken vollkommen anders als nicht gerahmte Werke. Entscheidet man sich für die Einrahmung, ist der richtige Rahmen für ein Kunstwerk weitaus mehr als ein ästhetischer Faktor. Zwar kann die Rahmung ein Bild optisch betonen, doch ebenso ist sie dem Bild ein Schutz vor Schmutz, vor Schädlingen, vor Beschädigungen, Ausbleichen und Versprödung.

Die Rahmung von Bildern hat eine lange, von den Möglichkeiten und dem Geschmack der Zeit bestimmte Geschichte. Bereits in den Wandmalereien von Pompeji lässt sich die Tendenz beobachten, einzelne Szenen mit einem gemalten Rahmen zu versehen und sie somit voneinander abzugrenzen. Die ersten Rahmen im heutigen Sinne entstanden im 13. Jahrhundert, doch gleichermaßen wurden oftmals die Ränder der bildtragenden Holztafeln von Vergoldern zum „Rahmen“ gestaltet.

Zu einer ersten Blüte der Kunst der Rahmenherstellung führte die italienische Renaissance – Hand in Hand arbeiteten Holzschnitzer, Maler und Vergolder, um prachtvolle Bilderrahmen höchster künstlerischer Qualität entstehen zu lassen. Das Altarbild einer Kirche konnte auch in einem Marmor- oder aufwendigem Stuckrahmen wirkungsvoll präsentiert werden. Aus der Barockkunst des 17. Jahrhunderts sind schließlich – dem Geschmack der Zeit entsprechend – großformatige, üppig ornamentierte Goldrahmen überliefert, ebenso aus der Zeit des Rokoko. Erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man im Zuge des Malens auf Leinwand mit der Herstellung von Bilderrahmen im heutigen Sinne.

Dabei waren die Künstler selbst oftmals direkt eingebunden: Karl Friedrich Schinkel entwarf beispielsweise einheitliche Zierrahmen für die Sammlungen der Königlichen Galerie in Berlin. Die Nazarener bevorzugten gotisierende, Jean Auguste Dominique Inges (1780-1867) üppig dekorierte, neobarocke Rahmen. Die Künstlerrahmen des Symbolismus und des Jugendstils verstanden Bild und Rahmen als Einheit – dem Rahmen wurde zunehmend selbst individuelle, künstlerische Funktion zugewiesen.

Echte alte Bilderrahmen sind heute sehr begehrte und auf Rahmen-Auktionen hoch gehandelte Stücke. Aus der modernen Produktion steht heute ein nahezu unüberschaubares Angebot an qualitätvollen Rahmen, Rahmenleisten, Passepartouts und Gläsern zur Verfügung.

Bild und Rahmen können im Idealfall eine Symbiose eingehen. Dabei sollte der Rahmen das Bild oder Objekt in seiner Wirkung betonen, jedoch keinesfalls dominieren. Die Vielfalt der zu rahmenden Dinge erfordert große Sorgfalt bei der Auswahl. Anliegen dieses Beitrags ist es, einige wenige Faktoren aufzuzeigen, die bei der Entscheidung für eine Einrahmung, der Materialwahl und der fachgerechten Rahmung Beachtung verdienen sollten.

Wer etwa mit Keilrahmen arbeitet, bezieht gern die Seiten des Keilrahmens in seine Arbeit mit ein und verzichtet mitunter auf eine professionelle Rahmung – doch unter gewissen Umständen ist Vorsicht geboten: Durch Einwirkungen von Wärme und Feuchtigkeit kann es zu unerwünschten Torsionseffekten des Keilrahmens kommen. Hier bietet sich etwa die Rahmung mit einer Schattenfugenleiste an – auch die bemalten Seitenflächen bleiben sichtbar, und gleichzeitig ist das Werk vor Beschädigungen, etwa durch den Transport, geschützt. Schattenfugen leisten eignen sich ebenso für die Rahmung von Werken auf Karton oder Malplatten: Wird hier noch ein Blindrahmen dahinter angebracht, scheint das Werk im Rahmen gleichsam zu schweben.

Für Zeichnungen, Stiche, Drucke und Ähnliches bietet sich beispielsweise die Rahmung mit einer so genannten Stichleiste an: Diese ist relativ schmal und zurückhaltend in der Ausführung, zurückhaltend bis gar nicht ornamentiert und lässt dem Werk gewissermaßen „den Vortritt“. Die große Anzahl an Rahmenfarben und -typen stellt jedoch selbst das geübte Auge oftmals vor das Problem der Wahl. Hier sind dem persönlichen Geschmack keine Grenzen gesetzt, jedoch ein kleiner Tipp: Es bietet sich an, diejenige Rahmenfarbe auszusuchen, die – etwa bei Aquarellen – am wenigsten häufig im Bild vorkommt.

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