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Gesso! Gesso! Gesso!

Zeichnen und Malen auf Kreidegrund

Immer wieder offenbart eine dickflüssig-zähe Mischung aus Kreide, Wasser, Weißpigment und Leim ihre besonderen Qualitäten: Jeder Malerin und jedem Maler bekannt und unentbehrlich, ist ein selbst gemischter Kreidegrund oder gebrauchsfertiger Gesso das bewährte Grundiermittel für bespannte Keilrahmen mit Rohgeweben und die traditionelle Basis für Ölmalerei auf Leinwand oder Holz. Gesso kann auch zum Einfärben von Papieren, zum Bearbeiten von Holzrahmen und für viele weitere Zwecke eingesetzt werden.

Bild aus der Ina Riepe-Reihe

© Ina Riepe

Aber auch in weniger klassischer Hinsicht tut ein Kreidegrund gute Dienste: Er kann z.B. direkt bezeichnet werden. Zunächst wird die Grundierung kreuzweise (senkrecht/waagerecht) in zwei Schichten aufgetragen und muss zwischendurch antrocknen. Dann kommen Schleifpapier oder Stahlwolle (erst grob, dann fein) zum Einsatz, um die Oberfläche seidenglatt zu polieren.

Bild aus der Ina Riepe-Reihe

© Ina Riepe

Die Aquarellskizze oberhalb zeigt einen sonst weniger beachteten Vorzug: Vor allem selbst zubereitete Kreidegründe sind extrem saugfähig. Ein Aquarell kann daher sogar in senkrechter Position, z.B. auf der Staffelei, gemalt werden – im Vergleich zu fett oder halbfett grundierten Leinwänden ein großer Unterschied. Zwar läuft beim Aquarell mitunter ein Tropfen oder es entsteht eine kleine „Nase“, dies aber nur in geringem Maße. Die Aquarellskizze der Zeitung lesenden Frau wurde recht nass und mit vollem Pinsel gemalt, schnell und ohne Abtupfen. Vorausgesetzt, die Aquarellfarben sind lichtecht, eröffnet sich hiermit eine nicht-papiergebundene Möglichkeit der Aquarellmalerei.

Kreidegrund oder Gesso kann mit wenig Pigment eingefärbt werden, um eine Art Grundstimmung des Gemäldes zu erzeugen. Im Beispiel unten wurde der Kreidegrund in einem Grau-Beige-Rosaton gefärbt, um eine tonige Hinter- und Untergrundfarbe zu erzeugen, die mit den erdig-warmen Gouachen der Malerei harmoniert. Die Gouachen wurden recht dünn vermalt, manchmal überlagern sie die Blei-Zeichnung, manchmal bleibt diese komplett offen.

Bild aus der Ina Riepe-Reihe
© Ina Riepe
Bild aus der Ina Riepe-Reihe
© Ina Riepe
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© Ina Riepe

Auf den beiden Bildern unten ist die Vorzeichnung gut sichtbar, der Himmel ist leicht rosa getönt. Hier wurde der Kreidegrund weiß belassen, die Malerei dagegen mit Ölfarbe ausgeführt. Die Farbe ist mal lasierend, mal deckend aufgetragen, die Bleizeichnungen in Fenstern, Baum und Kontur blieben erhalten.

Bild aus der Ina Riepe-Reihe
© Ina Riepe
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Bei diesem Stillleben mit Schalen ist die Bleizeichnung offenkundiger Teil der Bildabsicht. Hier ist alles zu sehen: Jede Schraffur schafft Modulationen und Tiefe, bleibt sichtbarer Teil der Malerei. Der Kreidegrund wurde weiß belassen, die Malerei in dünnen Ölfarben-Lasuren ausgeführt.

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© Ina Riepe

Übrigens kann jede Bleizeichnung auf Kreidegrund mit einer Lasur aus Leinöl und Balsamterpentinöl dauerhaft fixiert werden; eine solche Lasur kann auch durch Zugabe einer geringen Menge Ölfarbe getönt werden. Dabei ist zu beachten, dass die Bleizeichnung auf die Mischung der Fixierung reagieren kann: Je stärker das Leinöl mit Balsamterpentinöl verdünnt wird, desto stärker wird die Bleizeichnung angelöst und verwischt. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Je höher der Leinöl-Anteil in der Lasur, desto klarer bleibt die Zeichnung.

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