Buchtipp

Welten erschaffen auf Papier

Diemut Schillings kreative Zeichenschule führt von den Grundlagen der Zeichnung zur eigenen Bildsprache und ist ein kompetenter Wegbegleiter für die Mappenvorbereitung.

Die Zeichenkunst erscheint uns heute als eine elementare Kulturtechnik, doch spielt sie in Europa erst seit der Revolution des Buchdrucks im 16. Jahrhundert eine Rolle. Ist es da heute eigentlich noch zeitgemäß zu zeichnen? Also mit der Hand? Analog? Mit Stift, Pinsel oder Schere, mit Farbe und Papier? Angesichts bestehender digitaler Möglichkeiten und erwartbarer Entwicklungen? Diese Fragen stehen ganz am Anfang des Buches „Welten erschaffen auf Papier“ von Diemut Schilling.

Der Titel und die Tatsache, dass es sich dabei um eine Zeichenschule handelt, geben per se eine Antwort darauf. In seinem aufschlussreichen Vorwort verortet der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich die Publikation innerhalb der Geschichte der Zeichnung und ihrer Vermittlung. Er stellt fest: „Diemut Schillings unglaublich reiches Kompendium an Zeichentechniken ist das denkbar beste Mittel gegen jeglichen visuellen Analphabetismus. Es hält nicht nur unerschöpflich viel Freude beim Entdecken eigener Möglichkeiten bereit, sondern es eignet sich nicht zuletzt dazu, auf durch und durch analoge Weise für das Leben im Digitalen gerüstet zu sein.“

„Warum zeichnen?“ Auch Diemut Schilling selbst thematisiert diese Frage. Analoges Zeichnen versteht die Künstlerin als „Stenografie der inneren Bilder“. Denn „die Hand ist das Fenster zum Geist“, zitiert sie ein Sprichwort. „Daran hat sich bis heute nichts geändert. Je niedriger die Hürden sind, die du überwinden musst, um deine inneren Bilder spontan zu Papier zu bringen, umso authentischer und einzigartiger werden sie für dich und andere in deiner Zeichnung sichtbar werden.“

Zeichnen ist faszinierend facettenreich. Mit jeder noch so kleinen Skizze entsteht auf dem Papier ein neuer und ganz individueller Kosmos. In 13 Kapiteln und auf 288 reich bebilderten Seiten lädt Diemut Schilling ein zu einer zeichnerischen Entdeckungsreise. Einer Reise zum künstlerischen Sehen, Experimentieren und Gestalten.

Dafür hat die Autorin sieben Routenvorschläge ausgearbeitet, die für den Einstieg in ihr Buch ganz unterschiedliche grundlegende persönliche Erfahrungen mit den Erwartungen an das Zeichnen berücksichtigen. In jedem Kapitel wird das benötigte Material aufgeführt, ein Zeitaufwand für die Selbsteinschätzung benannt sowie ein Schwierigkeitsgrad. Auf dieser Basis lässt sich das Buch für Einsteiger*innen und Verspielte, für Gipfelstürmer*innen oder auch für Tiefseetauchende, als Zirkeltraining für Unsichere, als Outdoor-Route für Wetterfeste, als Klettersteig mit Passüberquerung (=Mappenabgabe) oder als „Mount-Rushmore“-Route (Schwerpunkt Porträt) durchwandern.

Auch Querfeldeinstürmer*innen wird Raum gegeben, und man kann das Buch ebenso gut chronologisch von vorne nach hinten erschließen. Dieser fantasievolle Ansatz macht Spaß und ist ungeheuer inspirierend. Man ahnt schon, dass es Diemut Schilling genau darum geht. Denn „gut zeichnen“ zu können bedeutet für sie nicht, so naturgetreu wie möglich technische Fertigkeiten zu trainieren. Dennoch kommt auch dieser Aspekt in der freudvoll konzipierten Lektüre nicht zu kurz! Licht, Raum, Farbe, Perspektive, Dimension, Landschaft, Porträt, Strichführung, Vorlagen und Zeichnungen ohne Stift zu erstellen – all das findet hier einen Platz und eröffnet einen nahezu hürdenfreien Zugang!

Für jedes Kapitel, für jeden Routenverlauf und für jede Station greift die Autorin auf ihre langjährige Lehrerfahrung, u.a. als Kunstprofessorin an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, zurück. Mit 36 erprobten Übungen zu künstlerischen Aufgabenstellungen und Techniken führt Diemut Schilling vom Erlernen des naturalistischen Zeichnens bis zur eigenen künstlerischen Ideenfindung und zeigt Schritt für Schritt, wie es gelingt, einen persönlichen zeichnerischen und gestalterischen Ausdruck sowie eine individuelle Bildsprache zu finden. Die Bandbreite und die Fülle an künstlerischen Umsetzungen verdeutlichen auch die zahlreichen Abbildungen und Illustrationen in dem Buch, die zu einem großen Teil von Alanus-Kunststudierenden stammen. Im letzten Kapitel des Buches vermitteln Einführungen in künstlerische Sichtweisen eine Fülle an Anregungen für eine erfolgreiche Mappe.

„Welten erschaffen auf Papier“ ist das Standardwerk für Neugierige, Fortgeschrittene und für alle, die ihr gestalterisches Wissen und Können auf ein neues Level bringen wollen. Es ist ein inspirierender Wegbegleiter hinein ins eigene künstlerische Arbeiten und für den kreativen Kunstunterricht an Schulen, Hochschulen und Akademien. Diemut Schillings Buch nimmt das Zeichnen als künstlerische Technik in all seinen Facetten ernst. Es vermittelt kompetent die technischen Grundlagen und zeigt in den Umsetzungsbeispielen fantasievolle Lösungen, die das individuelle kreative Potenzial wecken – ein großes (Lern-)Vergnügen!

Das Buch füllt übrigens eine Lücke auf dem Buchmarkt: Es eignet sich hervorragend als Mappenvorbereitung für alle Studiengänge, die eine künstlerische Mappe im Bewerbungsverfahren erforderlich machen!

Über die Autorin

Diemut Schilling ist Bildhauerin und Professorin für Zeichnung und Druckgrafik an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft. Sie lebt in Wuppertal und ist Mitglied im Rat für Kulturelle Bildung. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind seit vielen Jahren partizipative Projekte im öffentlichen Raum sowie die künstlerische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

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Von den Grundlagen der Zeichnung zur eigenen Bildsprache. Ein Wegbegleiter für Neugierige, Fortgeschrittene und für die Mappenvorbereitung

Zeichnen ist faszinierend facettenreich. Mit jeder noch so kleinen Skizze entsteht auf dem Papier ein neuer und ganz persönlicher Kosmos. Auf 288 reich bebilderten Seiten lädt dieses Buch zeichnerisch ein auf eine Entdeckungsreise zum künstlerischen Sehen, Experimentieren und Gestalten. DAS Standardwerk für alle, die ihr gestalterisches Wissen und Können auf ein neues Level bringen wollen. Ein inspirierender Wegbegleiter hinein ins eigene künstlerische Arbeiten und als Wegbegleiter für den kreativen Kunstunterricht an Schulen, Hochschulen und Akademien. Darüber hinaus eignet sich das Buch bestens für alle Studiengänge, die eine künstlerische Mappe im Bewerbungsverfahren erforderlich machen.

288 S., zahlr. farb. Abb., 21 x 28 cm, geb., dt., frechverlag 2024

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