Interview

FREI-RÄUME FÜR DIE KUNST

Ein Interview mit Nikolaus von der Assen, Akademieleiter der Kunstfabrik Hannover.

„Als Kind ist jeder ein Künstler, die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“ Pablo Picasso

Die Kunst lebt von dem Bewusstsein, dass jenseits dessen, was wir schon wissen, schon ausprobiert oder erfahren haben, ein unendlicher Kosmos an Nichtwissen und Unbekanntem schlummert. Der Reiz für den Künstler besteht nicht zuletzt darin, die Trennungslinien und Hürden zu überschreiten, die den Zugang zu dieser noch unentdeckten Welt verwehren. Dadurch wird  das Kunstschaffen zur spannenden Entdeckungsreise und manchmal sogar zum grandiosen Abenteuer. Den idealen Rahmen für ein solches Abenteuer bietet die Kunstfabrik Hannover: Hier hat man es sich zum Ziel gesetzt, der Kunst großzügig Raum zu geben. In einzigartiger Atelieratmosphäre mit viel Platz und Entfaltungsmöglichkeiten finden Menschen, die mit dem Kunstschaffen beginnen oder vorhandene Fähigkeiten vertiefen wollen, individuelle Begleitung, Inspiration und Unterstützung.

Im Helmkehof, einer ehemaligen Gummifabrik, verfügt die Kunstfabrik Hannover über großzügige Atelierräume auf einer Fläche von fast 300 m2 und lebt von dem Engagement begeisterter Kunstprofis. Die Kooperation mit erfahrenen und anerkannten Künstlerpersönlichkeiten, Dozenten und Seminarleitern gewährleistet ein Kursprogramm auf gehobenem künstlerischem Niveau. Professionell organisiert werden die Seminare von der boesner GmbH Hannover. Die Leitung der Kunstfabrik erfolgt mit viel Herzblut durch den Künstler und Unternehmer Nikolaus von der Assen, der uns in einem Interview mehr über die Idee und das Konzept dieses außergewöhnlichen Ortes für Kunstschaffende verrät.

boesner: Am Anfang stand die Vision, der Kunst in Hannover neuen Raum zu schaffen. Was war der Auslöser für diesen Entschluss?

Nikolaus von der Assen: Nun, ganz einfach: Es gab bei uns eine hohe Nachfrage nach mehrtägigen Kursen mit namhaften Dozentinnen und Dozenten. Während es im Süden von Deutschland eine relativ hohe Dichte an Kunstakademien gibt, gab es hier „im hohen Norden“ noch nichts Vergleichbares. Und, wenn ich das offen sagen darf, eine solche Akademie war schon immer ein Traum in meinem gedanklichen Hinterstübchen.

boesner: Warum haben Sie gerade diesen Standort gewählt?

Nikolaus von der Assen: „Kunst braucht Raum“ − das gilt insbesondere für eine Akademie. Wir haben längere Zeit nach einem optimalen Objekt gesucht. Uns wurde sogar eine ehemalige Kirche angeboten, das kam aber aus verschiedenen Gründen nicht zustande. Und durch Zufall erfuhren wir dann von einem boesner-Kunden von „großARTigen Räumen in einer ehemaligen Gummifabrik“. Als ich die Räume sah, war sofort klar: Das ist es! Hell, groß, inspirierend, kurz: wie ein traumhaftes Atelier in Manhattan.

Kunstfabrik Hannover, Foto: Olaf Hauschulz
Kunstfabrik Hannover, Foto: Olaf Hauschulz

 

boesner: Mit seiner historischen Bausubstanz bot der Helmkehof nicht nur ein besonderes Ambiente, sondern auch anspruchsvolle architektonische Voraussetzungen. Das Objekt wurde aufwendig umgebaut. Nach welchen Maßgaben haben Sie die Räumlichkeiten der Kunstfabrik gestaltet und welche Idee liegt Ihrem Konzept zugrunde?

Nikolaus von der Assen: Unsere Zielsetzung war, dass Kursteilnehmer und Dozenten sich hier von Anfang an besonders wohlfühlen und sich künstlerisch optimal entfalten können. Das heißt, jeder hat seinen eigenen, großzügigen Arbeitsplatz mit Ateliertisch, Materialwagen, Staffelei, Trocknungsregal (es wird fast immer an mehreren Bildern gemalt) und allem, was sonst noch benötigt wird. Es gibt einen Bereich für Besprechungen und Vorführungen, eine moderne Küche, einen Ruhebereich mit Relax-Sofas, Spinde … und neuerdings auch ein Gästehaus mit schönen, preiswerten Zimmern.

boesner: Neben den lichten Räumen, die viel Platz und Freiheit für Ideen bieten, fällt die entspannte Atmosphäre untereinander, die persönliche Teilhabe auf. Sie sind in das Projekt nicht nur als Leiter und Dozent, sondern auch als „gute Seele“ involviert. Was ist Ihnen dabei wichtig?

Nikolaus von der Assen: Der persönliche Kontakt zu den Teilnehmern, auch wenn das bei der Vielzahl der Kurse natürlich viel Zeit kostet. Aber diese Gespräche sind wichtig und helfen uns, jeden Tag noch etwas besser zu werden. Dazu haben wir übrigens auch einen Meinungsbogen (für Lob und Tadel) entworfen, den die Teilnehmer am Ende des Seminars zusammen mit dem Teilnahmezertifikat erhalten. Erst letzte Woche hat eine Kursteilnehmerin geschrieben: „Hier in der KFH könnt ihr mich glatt einen Monat lang einschließen!“

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Foto: Dietmar Stiller

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Foto: Dietmar Stiller

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Foto: Dietmar Stiller

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Foto: Dietmar Stiller


Foto: Dietmar Stiller

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Foto: Dietmar Stiller

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Foto: Dietmar Stiller

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Foto: Dietmar Stiller

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Foto: Dietmar Stiller

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Foto: Dietmar Stiller

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Foto: Dietmar Stiller

boesner: Die Dozenten sind durchweg bekannte Künstlerpersönlichkeiten, mit denen Sie teilweise seit vielen Jahren zusammenarbeiten. Da war es vermutlich nicht schwer, sie für das Projekt zu begeistern oder mussten Sie viel Überzeugungsarbeit leisten?

Nikolaus von der Assen: Anfangs war es nicht ganz leicht, die „Top-Dozenten“ für die Kunstfabrik zu gewinnen, denn die haben oft schon einen vollen Terminkalender und wollen auch Zeit für die eigene Malerei haben. Aber schlussendlich konnten wir alle restlos überzeugen und heute kommen neue Dozenten von sich aus auf uns zu − das zeigt uns, dass wir mit unserer Zielsetzung genau richtig liegen.

boesner: Die Kursgröße ist bewusst übersichtlich gehalten. Gibt es lange Wartelisten für die Kurse?

Nikolaus von der Assen: Die durchschnittliche Teilnehmerzahl beträgt 12−14 Personen. Das bedeutet in der Praxis: viel Zeit für individuelle Betreuung, hoher Lernerfolg und gelungene künstlerische Arbeiten. Wenn ein Kurs extrem gut gebucht ist, frage ich den Dozenten immer gern nach Zusatzkursen. Davon hatten wir im letzten Jahr allein 12.

boesner: Wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben das umfassende Angebot bisher genutzt?

Nikolaus von der Assen: Bisher über 2.000, die Anmeldezahlen für 2017 noch nicht mitgerechnet … ja, es läuft wirklich gut!

boesner: Die Kunstfabrik hilft bei der Entdeckung der persönlichen Ausdrucksfähigkeit und unterstützt die Entwicklung einer eigenen Formensprache. Welche Schlüsselqualifikationen sollte man grundsätzlich für die Teilnahme an den Kursen mitbringen?

Nikolaus von der Assen: Offenheit und Neugierde − und die Freude am Leben und an der Malerei.

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Die Kunstfabrik Hannover wird durch begeisterte Kunstprofis organisiert und bietet durch die Mitarbeit fachlich und pädagogisch versierter Dozenten und Künstler ein Kursprogramm auf gehobenem künstlerischem Niveau. Ein in der Regel auf 12 Personen limitierter Teilnehmerkreis gewährleistet individuelle Betreuung. Die Kurse finden in der Woche oder am Wochenende statt; für das Kursangebot empfiehlt sich aufgrund der großen Nachfrage frühzeitige Reservierung.

 

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