Drip the colour! Das ist in der Tat das Motto: Freestyle im Umgang mit der Farbe. Aber was heißt das? Bedeutet es, einfach Farbe auf Untergründe zu spritzen, zu sprühen oder zu tropfen? Nicht ganz, denn hier gehen – ebenso wie bei anderen Techniken im Umgang mit Farbe – Plan und Zufall Hand in Hand.
Ein Beispiel für diese glückliche Verbindung sind etwa Rakeltechniken: Ohne eine gewisse Vorstellung von Farbzusammenhängen, ohne eine konzentrierte Handhabung von Farbe und Werkzeug und ohne das Wissen, wann man Schluss machen sollte, wird das Resultat nicht zufriedenstellend sein. Auch bei der Arbeit mit Jelly Pads etwa, also bei Monotypien, ist das Ergebnis zwar stark abhängig von Zeichnung und Farbauftrag, aber der nicht kalkulierbare Druckvorgang kann dabei durchaus einen Strich durch die Rechnung machen.
Ohne eine klare Vorstellung der Form, der Zeichnung und der Komposition enden auch Dripping-Techniken schnell im formlosen „Irgendwie“. Dazu kommt der Akt des Drippings selbst: Die kraftvolle oder geschmeidige Bewegung von Hand und Arm, die Farbe, die aus der Tülle einer Plastikflasche fließt, sowie der in der Regel größere Bildträger (Papier, Pappe, Leinwand) sind entscheidende Komponenten. Wie wird der Bildträger positioniert? Soll die Farbe noch weitere Verläufe und Zufallsspuren bilden, oder soll sie möglichst nach einer bestimmten Vorstellung verlaufen? Diese Faktoren bestimmen mit, ob an der Wand, auf der Staffelei oder eher auf dem Boden gearbeitet wird.
Eine Vorzeichnung ist dabei wenig zielführend: Sie hinterlässt nicht nur Spuren, die beim Dripping nicht überdeckt werden, sondern ist auch im Prozess kaum einzuhalten. Im Gegenteil: Je stärker versucht wird, einer Vorzeichnung zu folgen, desto unfreier wird der zeichnerische Gedanke. So frei und gleichzeitig so konzentriert wie möglich sollten der Arm und die Hand, die ja mit gleichbleibendem Druck auf die Farbflasche agiert, dem Bild im Kopf folgen. Vor allem bei linearen Formen ist jedes Zögern oder Verbessern unglücklich. Beim reinen Spritzen schließlich geht es vor allem um die Dosierung – zu starker Druck führt zu Flecken und Klecksen. Leicht und anmutig sollten die Farbstöße erfolgen, immer mit der entstehenden Farbdichte im Blick. Kurzum: Man kann das Dripping als eine Art Action Painting betrachten, je nachdem, wie zufällig das Ergebnis zustande kommen soll.
Was die Farbe selbst betrifft, so sollte sie vor allem eins sein: flüssig. Je dünnflüssiger die Farbe, desto leichter und spritziger wird das Ergebnis. Aber auch eine normal flüssige Farbe aus der Tülle oder Pipette kann gut und verhältnismäßig gleichmäßig gezogen werden. Selbst eine dickflüssigere Konsistenz – die entsprechend schwer und deckend wirkt – ist funktional.
Im Prinzip kann für Dripping jede Farbe eingesetzt werden. Aufgrund der Vielfalt der erhältlichen Konsistenzen und der leichteren Handhabung ist sicher Acrylfarbe das Mittel der Wahl. Oft bietet es sich an, die Farbe zu verdünnen (mit Wasser, Malmittel, Balsamterpentin bei Ölfarben etc.). Allerdings geht die Verdünnung natürlich auf Kosten der Farbintensität, da die Pigmentdichte abnimmt, die für die Farbstärke verantwortlich ist. Ob das konkret einen Qualitätsverlust bedeutet, hängt von der Absicht in Bezug auf das malerische Ergebnis ab. Es gibt eine so große Auswahl an Farben, dass man sich zunächst orientieren sollte und auch um das Testen von gespritzter oder getropfter Farbe auf dem ausgewählten Bildträger nur schwerlich herumkommt (es lohnt sich in jedem Fall – ein mit dem Pinsel gestrichenes Blau ist eben anders als ein getropftes).
Beim eigentlichen Dripping steht von den Pinseln bis zu den fertigen Spritzaufsätzen der verschiedenen Farbprodukte jedes Hilfsmittel zur Verfügung: Mit einem breiten Schlepperpinsel lassen sich sehr weite Spritzbögen schlagen, mit einem dünnen Aufsatz auf dem Farbbehälter lassen sich dagegen ausholende Arabesken, aber auch klare Linien ziehen.
Zusätzliche und besondere Effekte können mit farbigen Unterlasuren, flächig mit dem Pinsel vertrieben, erzielt werden. Darüber hinaus sorgt ein (auch partielles) Vornässen des Malgrundes für spannende Verläufe.
Die Farben zum Dripping gibt es fertig konfektioniert in Flaschen mit Spritzaufsätzen. Gute Dienste leisten auch Leerflaschen mit Tülle, in die selbst angemischte Farbtöne eingefüllt werden können.