Mit Gießbeton finden Ideen ihre Form
Sein Ursprung liegt in der Architektur, doch seit Langem hat er in die Bildende Kunst Einzug gehalten: Beton ist ein geradezu universell einzusetzender Werkstoff. Bereits auf der Pariser Weltausstellung von 1867 erregte eine aus Zement gegossene Büste der Juno Aufsehen. Heute hat das Material längst einen Siegeszug in moderne Interieurs angetreten und ist durch seine Witterungsbeständigkeit ideal für den Außenbereich geeignet. Das Gemisch aus Zement, Sand und Wasser ist vergleichsweise einfach zu verarbeiten, kostengünstig verfügbar (und daher auch für größere Projekte geeignet) und ein Allroundtalent: Er ist stabiler als Ton oder Gips, lässt sich formen, spritzen und durch den Zusatz von zementechten Pigmenten bereits in der Trockenmasse färben.
Seinen Auftritt par excellence hat Beton natürlich im plastischen Bereich, denn er erlaubt die Realisierung vieler Formideen. Gießbeton ist insbesondere für das Gießen von Formen, komplexen Skulpturen oder großformatigen Reliefs geeignet. Er bindet schnell ab, ist spannungsarm, selbstnivellierend und frostsicher.
Am Anfang steht der Bau der Gussform: Dafür bietet sich fester, beidseitig wasserfest beschichteter Karton an, der im Fachhandel speziell für den Formenbau erhältlich ist. Der Entwurf kann auf Papier vorgezeichnet und dann z.B. mit Kreppband auf dem Karton fixiert, aber auch mit spitzem Bleistift eingeritzt und mit Schere oder Cutter ausgeschnitten werden. Die glattere, glänzendere Seite bildet dabei das Innere. Dabei gilt: Je exakter der Karton geschnitten und fixiert wurde (evtl. ist noch eine Stabilisierung von außen nötig), umso feiner gerät die Form. Komplexe Vorlagen lassen sich mit thermoplastischen Platten abformen.
Vor dem Gussprozess selbst steht eine Vorüberlegung: Wieviel Gießmasse wird voraussichtlich benötigt? Grundsätzlich gilt: Je größer die Abmessungen, desto dicker sollte die Masse gegossen werden (Faustregel: eine Platte von 30 x 30 cm sollte mindestens einen Zentimeter dick sein). Beim Anrühren des Pulvers in Wasser ist eine gewisse Vorsicht nötig, aufgrund der Staubentwicklung ist eventuell ein Atemschutz angeraten. Auch bei exakten Wasserzugaben sollte die Masse gut durchgerührt und zum Schluss leicht dickflüssig sein. Eventuelle Aussparungen für Aufhängevorrichtungen (Nägel, Drähte, Haken etc.) sollten durch später zu entfernende Stutzen oder Stöpsel schon in den Gießvorgang einbezogen werden.
Je länger – am besten über Nacht – der Beton Zeit hat, auszuhärten, desto besser und bruchsicherer (!) lässt er sich aus der Form nehmen. Die fertige Skulptur oder Form kann nach völliger Aushärtung sehr gut manuell, zum Beispiel mit Schnitzwerkzeugen, bearbeitet werden (oben).
Auch beim Formenbau lohnen sich Experimente: Im Beispiel oben wurde eine Blütenranke in Balsaholz geschnitzt, das dann den Boden der Gussform bildet. Die Ränder wurden aus Spezialkarton angelegt und schließlich etwa 1 cm hoch ausgegossen. Nach dem Aushärten können die Stücke mit alkalibeständigen Acrylfarben farbig gefasst werden.