Julie Louise Speck vermittelt in einem umfassenden Nachschlagewerk praktische Grundkenntnisse der Bühnenplastik und Bühnenmalerei.
Bühnen gibt es nahezu überall: Ob klassische Kulissen für Theater, Film und Fernsehen oder die perfekte Geometrie des Messebaus, ob aufwendige Kostümplastiken für Werbung und Show oder Realisationen für Konzeptkünstler – Bühnenplastik und Bühnenmalerei lassen sich auf allen erdenklichen Bühnen finden. Kultur, Kunst und Show brauchen dieses besondere Handwerk und sein Know-how, um ihre Events perfekt in Szene zu setzen.
Dennoch finden diejenigen, die die Kulissen bauen, Hintergründe malen und Requisiten herstellen nur selten die Anerkennung, die ihrer Arbeit gebührt. Zum umfangreichen Aufgabenbereich der Bühnenmalerinnen und -plastiker „zählt allgemein das Anfertigen von Modellen, technische Zeichnungen, das Bearbeiten von Oberflächen und Untergründen, Anfertigen von Schriften und Malereien.“ Darüber hinaus im Bereich „Plastik“ speziell die Auswahl und Anwendung von Werkstoffen und Techniken für das Herstellen von plastischen Elementen, „Kopieren und Imitieren, das Anwenden von Klebe- und Verbindungstechniken sowie das Vervielfältigen von plastischen Elementen“. Im Bereich „Malerei“ der Umgang mit Farben, „die Abstimmung auf die Beleuchtung, das Anfertigen von Kopien und Imitaten und das Herstellen von Bühnenmalerei.“
Diese Beschreibung des Berufsbildes stammt von Julie Louise Speck. Die Bühnenplastikerin und -malerin möchte das Ansehen dieses vielfältigen Berufs ändern – und auf diese Weise auch dessen Zukunft wahren. Deshalb hat sie das Lehrbuch „Praktische Grundlagen der Bühnenplastik und Bühnenmalerei. Einführung, Werkstoffe, Arbeitstechniken“ geschrieben. Auf gut 450 Seiten vermittelt sie erstmals die praktischen Grundkenntnisse der Bühnenplastik und Bühnenmalerei und die Kniffe ihres Handwerks. Auch auf die Projektvorbereitung und -kalkulation geht die Autorin ein. Sie selbst hat in den Werkstätten der Volksbühne in Berlin gelernt und wechselte nach einigen Jahren in der Selbstständigkeit 2019 an den Berliner Friedrichstadt-Palast, wo sie Leiterin der Bühnenplastik und als Ausbilderin tätig ist.
Schon beim Durchblättern des Buches wird deutlich: Bühnenplastiker und -malerinnen sind „Spezialisten der Materialkunde: Wir eignen uns ein großes Allgemeinwissen über Werkstoffe an und sind neugierig auf jedes neue Material, das wir kennenlernen. Wir besitzen die Fähigkeit der plastischen Gestaltung (Bildhauerei) und der Kunstmalerei sowie der Illusionsmalerei, um Materialien zu imitieren,“ stellt Julie Louise Speck fest.
„Die durchschnittliche Theaterwerkstatt ist heutzutage mit bestimmten Grundwerkstoffen ausgestattet: in der Malerei finden wir Baumwollnessel und Stofffarben, Lacke und Dispersionen und eine Vielfalt an Pinseln. In der Plastik sind es große Styroporblöcke, eine Bandsäge, eine große Auswahl an Klebstoffen, sowie Strukturmassen, Gips und Ton,“ ist in der Einleitung zum Kapitel „Werkstoffe“ zu lesen. Es spannt den Bogen von Textilien und Holz über Kunststoffe und Farben bis hin zu plastischen Massen, Putzen und Füllern. Darüber hinaus gibt es Tipps zur Handhabung oder zur passenden Literatur sowie Infos zu Arbeitsschutz und Nachhaltigkeit.
Im anschließenden Kapitel „Praktische Arbeitstechniken“, zeigt Julie Louise Speck auf fast 300 Seiten ausführlich, wie diese Werkstoffe angewendet werden. Die Vermittlung der Arbeitstechniken, die sowohl das Berufsfeld der Bühnenplastik als auch der Bühnenmalerei betreffen, sowie der Ausbau von Fähigkeiten stehen hier im Mittelpunkt. Dabei, so die Kapiteleinleitung, sind „die Anwendungstechniken (…) den klassischen Methoden im Bereich des Kulissenbaus entlehnt (…) und sollen auch niemals eine Begrenzung der Kreativität darstellen (…).“ Vielmehr sollen sie als Hilfestellung und Nachschlagewerk dienen. Themen sind unter anderem Übertragungstechniken, die Graumalerei, die Grundlagen der Farbgestaltung, Materialimitation wie Holz, Fels, Beton, Marmor, rostender Stahl usw. oder Formbauvarianten und Anleitungen zum plastischen Gestalten, etwa das Modellieren, das Schnitzen in Styropor, Kostümbau, Beflocken, Vergolden, Lackieren, Spachteln, und vieles mehr. Eine Aufgliederung in die spezifischen Inhalte der Fachrichtungen „Plastik“ und „Malerei“ runden das Kapitel ab.
Zum Abschluss des Buches stellt Julie Louise Speck vier Projektbeispiele vor, bei denen sie „auf die klassischen Abläufe der Projektentwicklung, die Arbeitsplanung und Durchführung sowie auf unterwegs auftretende Probleme und deren Lösung“ eingeht. Gezeigt werden die Fertigung eines Babykrokodilkostüms (Kostümplastik), eine Felsenhöhle aus dem Kunststoff Polystyrol (Kulissenbau), ein halbtransparentes überdimensionales Bühnenbild nach Carl Spitzweg (Prospektmalerei) und das berühmte „Courage“-Huhn von Eduard Fischer (Theaterrequisiten).
„Praktische Grundlagen der Bühnenplastik und Bühnenmalerei“ ist ein umfassendes Nachschlagewerk, das die wichtigsten Materialien und Arbeitstechniken des Berufs anschaulich in Wort und Bild vorstellt. Das kompakte, als Klappenbroschur eingebundene und von Julie Louise Speck im Eigenverlag hochwertig publizierte Buch überzeugt auch gestalterisch. Es ist reich illustriert, sehr übersichtlich aufgebaut und übersichtlich gestaltet. Die Fadenbindung stellt sicher, dass die Publikation auch nach vielfachem Zurate-Ziehen nicht auseinanderfallen wird. Ein unentbehrliches und bislang konkurrenzloses Handbuch für alle, die sich kreativ auf dem Gebiet der Bühnenplastik und Bühnenmalerei bewegen wollen. Auch Kunstschaffenden im Bereich Bildende Kunst sei es aufgrund der Vielfalt an Werkstoffen, Techniken und Ideen empfohlen.